Nordostfussball

Aufstieg und Erinnerung

Posted by Max on Mai 04, 2014
Nordostfussball / 2 Comments

Jetzt ist es also geschehen. RB Leipzig schafft durch ein locker-leichtes 5:1 gegen den bereits abgestiegenen 1. FC Saarbrücken vor mehr als 40.000 Zuschauern den Aufstieg in die Zweite Bundesliga. Wenn dort am 1. August die neue Saison beginnt, wird dann erstmals seit 16 Jahren wieder eine Mannschaft aus Leipzig dabei sein.

Rückblick: Am 7. Juni 1998 verpasst der VfB Leipzig durch ein 0:0 am letzten Spieltag gegen die SG Wattenscheid 09 den Klassenerhalt. Ein Sieg in diesem direkten Duell hätte gereicht, und die Bochumer wären abgestiegen. Es war jedoch bis heute das letzte Lebenszeichen des Leipziger Fußballs in den beiden höchsten deutschen Spielklassen. Damals mit dabei und eingewechselt: Ronny Kujat. Ein Leipziger Fußballurgestein, der zehn Jahre später auch in der ersten Saison von RB Leipzig noch dabei war – und heute noch für den Verein arbeitet. Kujat steht wohl wie kaum ein Zweiter für die Wandlung des Fußballs in der Messestadt in den letzten 20 Jahren: Mit dem VfB Leipzig aus der Bundesliga abgestiegen. Aus der Zweiten Liga abgestiegen. Auf- und Abstiege mit dem FC Sachsen Leipzig. Gründungsmitglied einer neuen Zeitrechnung in Markranstädt, den Geburtshelfern von RB Leipzig.

Während meine Erinnerung an Ronny Kujat noch sehr lebendig ist, habe ich die Fakten zum Entscheidungsspiel im Sommer 1998 eben nachschlagen müssen. Mein Interesse für den Fußball entstand erst kurz darauf, irgendwann im Verlauf der Weltmeisterschaft in Frankreich. Den letzten Kick gab das Finalspiel mit den überragenden Franzosen. Natürlich schaut man sich danach schnell nach Fußball in der Heimatstadt um. Was es in den nächsten Jahren zu sehen gab, war eher ernüchternd. Im Jahr nach dem Abstieg gelang dem VfB fast der direkte Wiederaufstieg. Doch schon bald mehrten sich die Anzeichen in Richtung Insolvenz, und so führte der Weg trotz Platz 9 im Jahr 2000 per Zwangsabstieg in die Oberliga. Vier weitere Spielzeiten quälte man sich dort mit den Folgen des vorherigen Insolvenzverfahrens und offensichtlicher Inkompetenz in der Vereinsführung bis zur letztendlichen Vereinsauflösung. Der kurz darauf neugegründete 1. FC Lokomotive Leipzig konnte nie mein Interesse wecken und kämpft heuer wohl erfolglos für den Klassenerhalt in der viertklassigen Regionalliga. Chronische Liquidiätsprobleme und Streitigkeiten in der Vereinsführung sind auch hier eher die Regel statt eine Ausnahme.

Für den FC Sachsen Leipzig lief es nicht wirklich besser. Die Chemiker – in Anspielung auf die zu DDR-Zeiten real existierende und heute als Kopie auflaufende BSG Chemie – spielten nach der Wiedervereinigung nie in der ersten oder zweiten Bundesliga, waren 1995 aber zumindest nah dran. Ab 1998 führte der Weg aber auch im Stadtteil Leutzsch stetig nach unten. Trotz eines hart erkämpften Klassenerhalts in der damals drittklassigen Regionalliga musste der FC Sachsen zwangsabsteigen. Nachfolgend gab es diverse erfolglose Bemühungen: Trainer wie Wolfgang Frank oder Eduard Geyer versuchten ihr Glück, selbst Rolf-Christel Guié-Mien spielte für einige Zeit in Leipzig. 2007 klopfte dann erstmals Red Bull in Leipzig an – die Übernahme scheiterte unter anderem an einer fehlenden Einigung bzw. zum Verbot der Umbenennung des Vereins. Weiter: Abstieg, Finanzprobleme, Zuschauerschwund – unter anderem, weil der Verein im Nachwuchsbereich eine Kooperation mit RB Leipzig anstrebte – letztendlich auch hier die Auflösung des Vereins 2011.

Das ist die Geschichte des Leipziger Fußballs, die ich seit 1998 kenne. Obwohl ich mich emotional den Grün-Weißen aus Leutzsch verbunden fühlte, haben mich all diese Umstände in die Arme des Bundesliga-Dinos HSV getrieben. Kurios und ernüchternd, dass es auch hier die Finanzgeschichte derzeit ähnlich läuft wie in Leipzig zwischen 1998 und 2011.

Epilog: Ich wurde in letzter Zeit hin und wieder gefragt, wie ich eigentlich zu RB Leipzig stehe. Nun bin ich zwar lange kein Fan des Vereins, aber zumindest ein Sympathisant. Auch wegen der eben erklärten Geschichte. Ich kenne keinen Zweitligafußball in der Stadt mehr, von Bundesligaspielen ganz abgesehen. Dazu musste ich zeitlebens mindestens die zweihundert Kilometer nach Berlin fahren. Natürlich wäre es auch mir lieber, einer der nicht mehr existierenden Leipziger Traditionsvereine würde jetzt an der Stelle von RBL stehen – doch die Geschichte hat einen anderen Weg vorgesehen. Mit dem Weg der sportlichen Entwicklung seit dem Wirken von Ralf Rangnick kann ich mich identifizieren, während ich RB vorher auch durch die Transferpolitik “Altstars kaufen” eher kritisch sah. Solange man beim Verein eine klare Entwicklungslinie verfolgt – wie übrigens auch in Hoffenheim oder seit Allofs auch in Wolfsburg – werde ich über solche Diskussionen nur lächeln können oder auch über diese bösen Androhungen hinwegsehen.

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Symbolpolitik

Posted by Max on April 26, 2014
Bundesliga, Nordostfussball / No Comments

Vor wenigen Minuten gewann RasenBallsport Leipzig mit 1:0 in Rostock. Damit rückte die ostdeutsche Abordnung des Brausekonzerns aus Österreich ein großes Stück näher Richtung Aufstieg. Mit einem Sieg am kommenden Wochenende gegen den 1. FC Saarbrücken im eigenen Stadion kann der direkte Durchmarsch finalisiert werden. Ab durch die Dritte – so hatte es die RB-Marketingabteilung bereits vor der Saison, sehr zum Unmut von Trainer Alexander Zorniger, formuliert. Nun scheint der kühne, aber schon im letzten Sommer nicht völlig unrealistische Wunsch Realität zu werden. Die neue Saison wirft ihre Schatten schon voraus. In der vergangenen Woche hatte RB Leipzig unter Auflagen die Lizenz für die Zweite Bundesliga erhalten. Seitdem wird fleißig diskutiert.

Ein interessanter Randaspekt dieses Spieltages war, dass Andreas Rettig, DFL-Geschäftsführer und damit irgendwie auch oberster Gralshüter der Lizenzen, die Partie von RB Leipzig in Rostock im Stadion verfolgte. Rettig, der DFL-Mann, also bei einer Partie der Dritten Liga – bekanntlich einem DFB-Wettbewerb. Nun ist es ihm nicht verboten, privat solche Spiele zu verfolgen. Doch der Zeitpunkt ist schon interessant. Schließlich hatte es Rettig in dieser Saison perfektioniert, in diversen Interviews immer wieder kleine Spitzen gegen die Leipziger fallen zu lassen. Es war nie ein Frontalangriff, da ist Rettig Diplomat genug. Doch seine klare Haltung und Abneigung zum Geschäftsmodell RB Leipzig ließ er immer wieder durchblicken, erwähnte mehrfach, dass er eine Lizenzerteilung in der aktuellen Konstellation sehr kritisch sieht. Der Weser-Kurier vermutete schon vor einigen Wochen, dass hier wohl die “feine Hinterzimmer-Diplomatie” zwischen Verein und Ligaverband einen Kompromiss aushandelt, der am Ende eine Lizenz mit Auflagen für RB Leipzig vorsieht. So kam es dann auch. Richtigerweise vermutete das Blatt auch, dass die “juristisch Hintergründe reichlich schwammig wirken”. Letztendlich sind es drei Auflagen für RB Leipzig geworden:

Auflage 1: Ein neues Logo muss her
Klar, Regeln sind Regeln. Aber von den drei Auflagen kann man diese wohl mit größter Wahrscheinlichkeit als Symbolpolitik der DFL abstempeln. Natürlich ähnelt das aktuelle Vereinswappen sehr stark dem Firmenlogo von Red Bull. Das ist weder schwer erklärbar noch eine große Überraschung. Doch was genau würde sich mit einem anderen Logo ändern? Würde damit die intime Verbindung zwischen dem Verein RasenBallsport e.V. und dem Konzern Red Bull weniger greifbar werden? Stadionname, Banden- und Trikotwerbung, Rahmenprogramm, das blanke Wissen um die Hintergründe dieses Vereins – nichts würde sich ändern. RB Leipzig und Red Bull bleiben untrennbar miteinander verbunden. Die Änderung des Vereinslogos wäre hier nur ein ganz kleiner Tropfen auf den (zu) heißen Stein. Erinnert sei an die Anfangsphase des Vereins: Damals spielte man in der Hoheit des Sächsischen Fußballverbandes, dieser lehnte das Logo ebenfalls schon ab – was zur Folge hatte, dass der Verein einfach ohne Logo auftrat. Nach dem Aufstieg in die Vierte Liga genehmigte der DFB das Wappen – jetzt geht der Spaß wieder von Neuem los. So albern diese Auflage auch scheint, in einigen Fankreisen wird diese doch auf Zustimmung stoßen. Etwa bei den Rasenballisten (“Für RasenBallsport, gegen Red Bull”), die in der Vergangenheit schon mehrfach die zu starke Assoziierung des Logos mit dem Geldgeber kritisierten.

Auflage 2: Neubesetzung der Führungsgremien
Diese Auflage ist weit weniger banal und durchaus diskussionswürdig. Im Kern geht es der DFL um die Frage, ob im Verein die oft benannte “50+1 Regel” ausgehebelt wird. Allerdings gilt diese Regelung nur für Kapitalgesellschaften, die aus Vereinen hervorgegangen sind und wo die Mehrheiten weiterhin beim Stammverein liegen. Dagegen argumentiert RB Leipzig, dass man ein Verein im klassischen Sinne sei und kein Interesse habe, den Profifußball in eine Kapitalgesellschaft auszugliedern. Soweit die vermeintlich klare rechtliche Grundlage, nichtsdestotrotz sind natürlich sämtliche Entscheidungsposten von Abgesandten aus Österreich besetzt. Aber eben in einer klassischen Vereinsstruktur.

Auflage 3: Vereinfachte Mitgliedschaft
Die Zahlen wurden zuletzt mehrfach durch die Presse getrieben: 800 Euro Mitgliedschaftsgebühr pro Jahr, dazu kommen 100 Euro einmalige Aufnahmegebühr. Außerdem könne der Vorstand jeden Mitgliedsantrag ohne Angabe von Gründen ablehnen. Das alles soll dazu geführt haben, dass RB Leipzig wohl nur eine einstellige Anzahl von Mitgliedern hat. Interessant aber, dass RB-Geschäftsführer Ulrich Wolter vergangenes Jahr mal von über 250 Mitgliedern sprach. Die Argumentation, man wolle sich Zuständen mit Ultra-Gruppierungen wie in anderen Vereinen entziehen ist natürlich hanebüchen. Der wahre Grund, einen möglichst reibungsfreien Einfluss des Geldgebers zu gewährleisten, liegt klar auf der Hand. Ich bin nun kein Kenner des deutschen Vereinsrechts, aber bei RB Leipzig ist man sich sehr sicher, alle Ansprüche des Gesetzgebers zu erfüllen. Von daher ist es nur logisch, dass man alle Winkel der Gesetze ausschöpft um den von Red Bull verfolgten Zweck zu gewährleisten. Sollte es tatsächlich zu einem Rechtsstreit um die RB-Lizenz kommen, wäre ich auf diesen Punkt besonders gespannt: Was gibt das Vereinsrecht her? Kann die DFL bestimmen, wie ein Fußballverein organisiert sein muss oder ist das schon Anmaßung?

Wenn die Diplomaten aus Verband und Verein schon diesen Auflagen-Kompromiss erarbeitet haben, wird es wohl auch in letzter Instanz bei der endgültigen Vergabe Ende Mai eine Einigung geben. Spannend fände ich eine gerichtliche Auseinandersetzung aber in jedem Fall – weil es wohl wahrscheinlich ist, dass die Auflagen der DFL kaum rechtlich Bestand hätten. Die Frage ist, ob RB Leipzig diesen Weg tatsächlich einschlagen will, denn so etwas kann sich bekanntlich lange hinziehen und zu einem unsicheren Schwebezustand in der Sommerpause führen – nicht nur bei den Leipzigern, sondern auch bei einem potentiellen Nachrückerverein. Den Streit um das Vereinslogo kann man sicher einfach aus der Welt räumen. Eine kreative Idee der Marketing-Abteilung von Red Bull wird da schon eine brauchbare, nicht anfechtbare Alternative hervorbringen. Bei den anderen beiden Punkten bin ich aber gespannt auf die Kompromissbereitschaft des Vereins.

Ärgerlich in diesem Zusammenhang aus Leipziger Sicht ist aber auch die fehlende Einigkeit zwischen DFB und DFL. Gerade in so elementaren Fragen müsste doch zwischen den beiden Verbänden Einigkeit herrschen. Der DFB winkt RB Leipzig samt Vereinsstruktur und Logo in seinen Ligen durch, die DFL stresst mit Hardliner Rettig an der Spitze. Von daher wäre ein gerichtlicher Präzedenzfall sehr interessant – er könnte einige Dinge im deutschen Fußball auf den Kopf stellen.

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Ein starkes Stück

Posted by Max on April 20, 2014
Nordostfussball / 1 Comment

1:0 gewonnen. Eine überragende Kulisse von fast 40.000 Zuschauern – eine Zahl, von der mancher Bundesligist nur träumen kann. Es war ein gelungener Fußballnachmittag am Ostersamstag in der Leipziger WM-Arena. Die Rasenballer zeigten einmal mehr ihre Konzentrationsfähigkeit auf wichtige Spiele, besiegten die “fidelen Serientäter” (Guido Schäfer, LVZ) aus Darmstadt und gingen damit einen großen Schritt Richtung direktem Aufstieg. Letztendlich war es aber noch ein Nachweis mehr, dass das Leipziger Fußball-Kunstprodukt stimmungstechnisch mehr sein kann als seine Stiefgeschwister aus Salzburg oder Hoffenheim.

Die ersten Minuten im Spiel gehörten zunächst den Gästen aus Darmstadt. Offenbar schien die überwältigende Resonanz der Zuschauer mehr die RB-Spieler zu beeindrucken. Mehr Spielanteile für die Lilien, bis zur zehnten Minute kamen die Rot-Weißen fast überhaupt nicht aus der eigenen Hälfte heraus. Doch kaum fanden die Leipziger besser ins Spiel, erzielte Anthony Jung mit einem sehr sehenswerten Fernschuss schon das 1:0 – letztendlich der spielentscheidende Treffer. Noch wichtiger für den Spielausgang war aber die Tatsache, wie die RB-Spieler die restliche Partie agierten: Deutlich wacher als im letzten Spitzenspiel im März gegen Heidenheim, schneller und vor allem erfolgreicher in den Zweikämpfen. So gab es in fast keiner Phase der Partie für Darmstadt eine wirkliche Torchance, vieles spielte sich im engen Bereich der erweiterten Mittellinie ab. Gab es tatsächlich mal einen sehenswerten Vorstoß der Gäste, zahlte sich die Rückkehr von Fabio Coltorti ins Tor aus. Der Schweizer Ex-Nationaltorwart überzeugte mit seiner Präsenz und einer starken Parade bei der besten Darmstädter Torchance. Coltorti könnte für die letzten Spiele der Saison der entscheidende Baustein sein, Benjamin Bellot konnte ihn zuvor nicht gleichwertig ersetzen.

Völlig verdient war aber auch dieser Sieg von RB Leipzig nicht. Obwohl der SV Darmstadt nur wenige Chancen hatte, diese waren hochkarätig. Letztendlich versagte ihnen Bundesliga-Schiedsrichter Torsten Kinhöfer auch noch einen Handelfmeter. Die Roten Bullen hätten sich zu diesem Zeitpunkt nicht beschweren dürfen über den Ausgleich, weil sie zuvor mehrfach gute (Konter-)Möglichkeiten ungenutzt ließen. Insbesondere Yussuf Poulsen, der zwar ein enormes Laufpensum ableistete, aber im Abschluss immer wieder unglücklich agierte. Kein gutes Auge für den Nebenmann, mehrere gute Situationen leichtfertig vergeben. Das galt übrigens auch für Joshua Kimmich oder Dominik Kaiser. Dem RB-Spiel fehlte die letzte Konsequenz – so dass die drei wichtigen Punkte am Ende zwar in Ordnung gehen, aber es hätte nicht bis zur letzten Minute spannend bleiben müssen.

Damit hat das Team von Alexander Zorniger nun also seinen Vorsprung auf Darmstadt vergrößert – vier Punkte sind es jetzt. Wichtiger aber, dass man den direkten Aufstieg weiterhin selbst in der Hand hat. Zwei Siege noch aus den letzten drei Spielen (Rostock/A, Saarbrücken/H, Stuttgart/A) und der Durchmarsch in die Zweite Bundesliga ist geschafft.

39.147 Zuschauer waren dabei – neuer Vereinsrekord und zweithöchster Wert in der Dritten Liga aller Zeiten. Diese Auslastung von mehr als 88% der Stadionkapazität markiert also den neuen Höhepunkt im Streben des Brausevereins nach ungeteilter Aufmerksamkeit der Leipziger. Auch die Darmstädter haben mit einem prall gefüllten Gästeblock und lautstarkem Support maßgeblich dazu beigetragen. Vor der Partie wurde von einigen RB-Fangruppierungen ein Stimmungsboykott angekündigt, weil der Verein wohl recht kurzfristig eine lange vorbereitete Choreografie verboten hatte. Man merkte nichts davon (Fand er überhaupt statt?). Von der ersten Minute gab es eine sehr beeindruckende Unterstützung für die Mannschaft – weit entfernt von den leeren Tribünen und versprengten Fangruppen, die es zuletzt beim Meistertitel des Salzburger Bullenpendants zu sehen gab. Leipzig möchte Bundesligafußball. 25 Jahre nach dem Mauerfall hat es wohl den etwas unangenehmen Weg über eine Konzernmannschaft gebraucht, um endlich dauerhaft Profifußball in der Messestadt zu etablieren. Jetzt scheint es gelungen – zur Freude der Zuschauer.

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Ein kleines bisschen Zweite Liga

Posted by Max on März 28, 2014
Nordostfussball / 1 Comment

Es ist schon eine bemerkenswerte Saison von RB Leipzig. Obwohl die Roten Bullen natürlich mit ungeheuren finanziellen Möglichkeiten gesegnet sind, waren sie für mich vor der Saison nicht zwingend ein Favorit auf den Aufstieg. Schließlich geisterte der Verein vorher zwei Jahre länger als eigentlich notwendig in der Regionalliga umher, ehe im vergangenen Frühjahr der lange ersehnte Aufstieg gelang. Und jetzt gleich der Durchmarsch in die Zweite Bundesliga? Möglich scheint es, sieben Spieltage vor dem Ende der Saison hat sich RB Leipzig gemeinsam mit Heidenheim und Darmstadt vom Rest der Konkurrenz abgesetzt. Am Mittwoch beim 1:1 im Spitzenspiel gegen Heidenheim war ich nun – im Nachgang zu meiner eigenen Verwunderung – erstmals in dieser Saison bei einem Ligaheimspiel, nachdem es im zweiten Halbjahr 2013 nur zu zwei Pokalspielen ging.

Was ist also dran am vermeintlichen Aufstiegszauber der Bullen? Und ist Heidenheim wirklich so stark? Eine eindeutige Antwort ist nach den 90 Minuten natürlich nur begrenzt möglich, sie haben mir aber eines gezeigt: Die Stärke dieser beiden Teams liegt insbesondere in einer klaren Spielstruktur und guter taktischer Einstellung. Weder Heidenheim noch die Leipziger zelebrierten vor mehr als 25.000 Zuschauern in der Arena sehenswerten Tempofußball, und kein Team machte auf mich den Eindruck, über weite Strecken der Saison einen wesentlich anderen Spielstil zu pflegen. Stattdessen war es lange ein Belauern auf gutem Niveau. Für eine bessere Einschätzung gab es dann doch einige Stockfehler zu viel im Spielaufbau.

Zunächst kamen die Leipziger besser in die Partie, doch relativ schnell wurde klar, warum Heidenheim oben steht: Da spielte eine sehr homogene, gut aufeinander abgestimmte Mannschaft, nach der oft zitierten Handschrift von Trainer Frank Schmidt. Ballsicher und in einigen, leider etwas zu wenigen Aktionen auch mit gutem Zug Richtung Tor. Doch die Württemberger fanden keine Mittel gegen die solide RB-Abwehr. Auf der anderen Seite konnten aber auch die Spieler des Heimteams mit zunehmender Spieldauer keine Ideen entwickeln, wie man an der Heidenheimer Abwehrreihe vorbeikommen könnte. So war es fast schon zwangsläufig, dass der etwas glückliche Führungstreffer vor der Pause in erster Linie auf eine gute Einzelaktion von Fandrich und etwas Glück zurückzuführen war. Nach dem Seitenwechsel kamen die Heidenheimer nach 72 Minuten zum verdienten Ausgleich. Bei diesem Gegentor sah auch RB-Torwart Benjamin Bellot nicht so gut aus, er rettete aber auch mit guten Paraden den Punkt.

Insgesamt war es ein Unentschieden auf gutem Niveau. Ich komme aber insgesamt doch zu einer etwas anderen Einschätzung als der Rotebrauseblogger. Ohne Vorwissen hätte man nicht unbedingt davon ausgehen müssen, dass hier zwei potentielle Aufsteiger gegeneinander spielten. Auf der anderen Seite könnten beide Teams mit den Leistungen vom Mittwoch aber auch gut im unteren Mittelfeld der Zweiten Liga mithalten. Die Heidenheimer hinterließen dabei den etwas reiferen Eindruck – was letztendlich ja doch nur eine Bestätigung der Realität ist.

Als Gelegenheitszuschauer in der Arena maße ich mir abschließend in fast jedem Stadionbericht auch ein Urteil zur Stimmung an. Schließlich ist es doch ein sehr interessanter Aspekt, wie sich die Fußballkultur bei einem Verein mit der Geschichte wie RB Leipzig entwickelt. Kurz gesagt: Eine dem Spiel angemessen Stimmung. Nicht extrem euphorisch wie im letzten Frühjahr beim Sieg im Sachsenpokal oder Relegationsspiel gegen Lotte, aber auch nicht zu unterkühlt. Da entwickelt sich was, auf angenehme Weise. Und das gefällt – hoffentlich, soviel persönlicher Kommentar sei noch erlaubt, dann auch in der Zweiten Liga.

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Auf Kurs

Posted by Max on Mai 30, 2013
Nordostfussball / 1 Comment

RB Leipzig ist nach dem Hinspiel der Regionalliga-Relegation gegen die Sportfreunde Lotte auf Kurs. So und nicht anders, nicht mehr und nicht weniger stellt der 2:0-Erfolg im Zentralstadion dar. Es war ein hart umkämpftes Spiel mit wenig Spielfluss, letztendlich präsentierte sich die Mannschaft von RB sehr effektiv. Nutzte das Elfmeter-Geschenk der Gäste, am Ende stach auch Joker Matthias Morys wieder – wie schon im Pokalfinale gegen Chemnitz.

Sportfreunde Lotte – ist schon ein putziger Name. Und doch muss da ja eine gewisse Qualität dahinterstehen, anders hätte man sich bestimmt nicht für diese Relegation qualifiziert. Schon der Blick auf den Kader gibt zumindest einige Namen aus höheren Spielklassen preis: Kotuljac, Shapourzadeh, Chahed. Vor dem Spiel gaben sich die Sportfreunde mal vorlaut, mal optimistisch, in den letzten Tagen vor der Partie versuchte man jedoch dann wieder (nicht ganz ungeschickt) RB in die Favoritenrolle zu rücken.

Wirkliche Struktur gab es in dieser Partie nicht. Vielmehr eine Menge Unterbrechungen – auch der eher kleinlichen Linie von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus geschuldet – besonders in der ersten Halbzeit. In den ersten 45 Minuten hatte Lotte prinzipiell etwas mehr vom Spiel, wenn auch eher durch Standardsituationen. Beide Abwehrreihen standen sehr konzentriert, das Mittelfeld machte es ihnen aber auch nicht zu schwer. Die Wende kam direkt nach dem Wiederanpfiff, als es einen berechtigten Strafstoß für RB gab und Stefan Kutschke eiskalt verwandelte. Fortan kontrollierten die Rasenballer das Geschehen etwas mehr, kamen später durch Joker Morys zum 2:0. Am Ende ein durchaus verdienter Sieg, wenn vielleicht auch ein Tor zu hoch.

Trotz der ungünstigen Anstoßzeit (17:30 Uhr mitten in der Woche) kamen 30.100 Zuschauer ins Stadion. Mehr Besucher bei einer Partie zweier Viertligisten als bei manchem Bundesliga-Verein. Das war großes Kino – auch atmosphärisch, wenn auch berechtigterweise nicht ganz so ausgelassen wie beim Pokalsieg vor zwei Wochen. Die Zuschauermassen zeigten allerdings auch einmal mehr die logistischen Probleme rund um dieses Stadion auf. Einen derartigen Ansturm konnte man nach den Vorverkaufszahlen erahnen. Auch, dass wegen der Anstoßzeit die meisten Zuschauer erst kurz vor Anpfiff kommen würden. Es gab das übliche Chaos bei den Einlasskontrollen – wobei hier weniger die Leibesvisitation das Problem darstellt, sondern eher die Barcode-Scanner der Grund allen Übels sind. Diese funktionieren in zehn Fällen vielleicht zweimal und bringen Fans wie Ordner zur Verzweiflung, schüren unnötig Aggression. Zehn Minuten vor Anpfiff öffnete man dann zumindest vor Sektor C die Tore – und nimmt hoffentlich die Erkenntnis mit, dass so ein Vorgehen mehr als amateurhaft ist. Das viel größere Unding allerdings war das Verhalten der Sicherheitskräfte am besagten Eingang: Ein Zuschauer wollte mit seinem Handy das Chaos festhalten – eigentlich kein verwerflicher Vorgang. Warum er dafür von Ordnern angepöbelt wurde und von Polizisten abgeführt? Das wird wohl das Geheimnis des Familienvereins bleiben.

Kein Wort zum versuchten Blocksturm. Einfach nur dämlich. Meckern möchte ich aber abschließend noch über RB-Torwart Coltori. Egal, ob die Rote Karte für Shapourzadeh berechtigt war oder nicht – diese Schauspieleinlage war einfach nur peinlich für einen ehemaligen Nationaltorwart. Absoluter Fremdschäm-Moment in letzter Sekunde. Eigentlich müsste man ihn dafür auch sperren, unsportlicher geht es einfach nicht mehr: Erst den sterbenden Schwan spielen, dann zum Protestieren aufspringen, abschließend außerhalb des Blickfeldes der Schiedsrichterin wieder abnippeln. Muss das sein? Bitte verkaufen.

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