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Ein starkes Stück 20. April 2014

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1:0 gewonnen. Eine überragende Kulisse von fast 40.000 Zuschauern – eine Zahl, von der mancher Bundesligist nur träumen kann. Es war ein gelungener Fußballnachmittag am Ostersamstag in der Leipziger WM-Arena. Die Rasenballer zeigten einmal mehr ihre Konzentrationsfähigkeit auf wichtige Spiele, besiegten die “fidelen Serientäter” (Guido Schäfer, LVZ) aus Darmstadt und gingen damit einen großen Schritt Richtung direktem Aufstieg. Letztendlich war es aber noch ein Nachweis mehr, dass das Leipziger Fußball-Kunstprodukt stimmungstechnisch mehr sein kann als seine Stiefgeschwister aus Salzburg oder Hoffenheim.

Die ersten Minuten im Spiel gehörten zunächst den Gästen aus Darmstadt. Offenbar schien die überwältigende Resonanz der Zuschauer mehr die RB-Spieler zu beeindrucken. Mehr Spielanteile für die Lilien, bis zur zehnten Minute kamen die Rot-Weißen fast überhaupt nicht aus der eigenen Hälfte heraus. Doch kaum fanden die Leipziger besser ins Spiel, erzielte Anthony Jung mit einem sehr sehenswerten Fernschuss schon das 1:0 – letztendlich der spielentscheidende Treffer. Noch wichtiger für den Spielausgang war aber die Tatsache, wie die RB-Spieler die restliche Partie agierten: Deutlich wacher als im letzten Spitzenspiel im März gegen Heidenheim, schneller und vor allem erfolgreicher in den Zweikämpfen. So gab es in fast keiner Phase der Partie für Darmstadt eine wirkliche Torchance, vieles spielte sich im engen Bereich der erweiterten Mittellinie ab. Gab es tatsächlich mal einen sehenswerten Vorstoß der Gäste, zahlte sich die Rückkehr von Fabio Coltorti ins Tor aus. Der Schweizer Ex-Nationaltorwart überzeugte mit seiner Präsenz und einer starken Parade bei der besten Darmstädter Torchance. Coltorti könnte für die letzten Spiele der Saison der entscheidende Baustein sein, Benjamin Bellot konnte ihn zuvor nicht gleichwertig ersetzen.

Völlig verdient war aber auch dieser Sieg von RB Leipzig nicht. Obwohl der SV Darmstadt nur wenige Chancen hatte, diese waren hochkarätig. Letztendlich versagte ihnen Bundesliga-Schiedsrichter Torsten Kinhöfer auch noch einen Handelfmeter. Die Roten Bullen hätten sich zu diesem Zeitpunkt nicht beschweren dürfen über den Ausgleich, weil sie zuvor mehrfach gute (Konter-)Möglichkeiten ungenutzt ließen. Insbesondere Yussuf Poulsen, der zwar ein enormes Laufpensum ableistete, aber im Abschluss immer wieder unglücklich agierte. Kein gutes Auge für den Nebenmann, mehrere gute Situationen leichtfertig vergeben. Das galt übrigens auch für Joshua Kimmich oder Dominik Kaiser. Dem RB-Spiel fehlte die letzte Konsequenz – so dass die drei wichtigen Punkte am Ende zwar in Ordnung gehen, aber es hätte nicht bis zur letzten Minute spannend bleiben müssen.

Damit hat das Team von Alexander Zorniger nun also seinen Vorsprung auf Darmstadt vergrößert – vier Punkte sind es jetzt. Wichtiger aber, dass man den direkten Aufstieg weiterhin selbst in der Hand hat. Zwei Siege noch aus den letzten drei Spielen (Rostock/A, Saarbrücken/H, Stuttgart/A) und der Durchmarsch in die Zweite Bundesliga ist geschafft.

39.147 Zuschauer waren dabei – neuer Vereinsrekord und zweithöchster Wert in der Dritten Liga aller Zeiten. Diese Auslastung von mehr als 88% der Stadionkapazität markiert also den neuen Höhepunkt im Streben des Brausevereins nach ungeteilter Aufmerksamkeit der Leipziger. Auch die Darmstädter haben mit einem prall gefüllten Gästeblock und lautstarkem Support maßgeblich dazu beigetragen. Vor der Partie wurde von einigen RB-Fangruppierungen ein Stimmungsboykott angekündigt, weil der Verein wohl recht kurzfristig eine lange vorbereitete Choreografie verboten hatte. Man merkte nichts davon (Fand er überhaupt statt?). Von der ersten Minute gab es eine sehr beeindruckende Unterstützung für die Mannschaft – weit entfernt von den leeren Tribünen und versprengten Fangruppen, die es zuletzt beim Meistertitel des Salzburger Bullenpendants zu sehen gab. Leipzig möchte Bundesligafußball. 25 Jahre nach dem Mauerfall hat es wohl den etwas unangenehmen Weg über eine Konzernmannschaft gebraucht, um endlich dauerhaft Profifußball in der Messestadt zu etablieren. Jetzt scheint es gelungen – zur Freude der Zuschauer.

Ein kleines bisschen Zweite Liga 28. März 2014

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Es ist schon eine bemerkenswerte Saison von RB Leipzig. Obwohl die Roten Bullen natürlich mit ungeheuren finanziellen Möglichkeiten gesegnet sind, waren sie für mich vor der Saison nicht zwingend ein Favorit auf den Aufstieg. Schließlich geisterte der Verein vorher zwei Jahre länger als eigentlich notwendig in der Regionalliga umher, ehe im vergangenen Frühjahr der lange ersehnte Aufstieg gelang. Und jetzt gleich der Durchmarsch in die Zweite Bundesliga? Möglich scheint es, sieben Spieltage vor dem Ende der Saison hat sich RB Leipzig gemeinsam mit Heidenheim und Darmstadt vom Rest der Konkurrenz abgesetzt. Am Mittwoch beim 1:1 im Spitzenspiel gegen Heidenheim war ich nun – im Nachgang zu meiner eigenen Verwunderung – erstmals in dieser Saison bei einem Ligaheimspiel, nachdem es im zweiten Halbjahr 2013 nur zu zwei Pokalspielen ging.

Was ist also dran am vermeintlichen Aufstiegszauber der Bullen? Und ist Heidenheim wirklich so stark? Eine eindeutige Antwort ist nach den 90 Minuten natürlich nur begrenzt möglich, sie haben mir aber eines gezeigt: Die Stärke dieser beiden Teams liegt insbesondere in einer klaren Spielstruktur und guter taktischer Einstellung. Weder Heidenheim noch die Leipziger zelebrierten vor mehr als 25.000 Zuschauern in der Arena sehenswerten Tempofußball, und kein Team machte auf mich den Eindruck, über weite Strecken der Saison einen wesentlich anderen Spielstil zu pflegen. Stattdessen war es lange ein Belauern auf gutem Niveau. Für eine bessere Einschätzung gab es dann doch einige Stockfehler zu viel im Spielaufbau.

Zunächst kamen die Leipziger besser in die Partie, doch relativ schnell wurde klar, warum Heidenheim oben steht: Da spielte eine sehr homogene, gut aufeinander abgestimmte Mannschaft, nach der oft zitierten Handschrift von Trainer Frank Schmidt. Ballsicher und in einigen, leider etwas zu wenigen Aktionen auch mit gutem Zug Richtung Tor. Doch die Württemberger fanden keine Mittel gegen die solide RB-Abwehr. Auf der anderen Seite konnten aber auch die Spieler des Heimteams mit zunehmender Spieldauer keine Ideen entwickeln, wie man an der Heidenheimer Abwehrreihe vorbeikommen könnte. So war es fast schon zwangsläufig, dass der etwas glückliche Führungstreffer vor der Pause in erster Linie auf eine gute Einzelaktion von Fandrich und etwas Glück zurückzuführen war. Nach dem Seitenwechsel kamen die Heidenheimer nach 72 Minuten zum verdienten Ausgleich. Bei diesem Gegentor sah auch RB-Torwart Benjamin Bellot nicht so gut aus, er rettete aber auch mit guten Paraden den Punkt.

Insgesamt war es ein Unentschieden auf gutem Niveau. Ich komme aber insgesamt doch zu einer etwas anderen Einschätzung als der Rotebrauseblogger. Ohne Vorwissen hätte man nicht unbedingt davon ausgehen müssen, dass hier zwei potentielle Aufsteiger gegeneinander spielten. Auf der anderen Seite könnten beide Teams mit den Leistungen vom Mittwoch aber auch gut im unteren Mittelfeld der Zweiten Liga mithalten. Die Heidenheimer hinterließen dabei den etwas reiferen Eindruck – was letztendlich ja doch nur eine Bestätigung der Realität ist.

Als Gelegenheitszuschauer in der Arena maße ich mir abschließend in fast jedem Stadionbericht auch ein Urteil zur Stimmung an. Schließlich ist es doch ein sehr interessanter Aspekt, wie sich die Fußballkultur bei einem Verein mit der Geschichte wie RB Leipzig entwickelt. Kurz gesagt: Eine dem Spiel angemessen Stimmung. Nicht extrem euphorisch wie im letzten Frühjahr beim Sieg im Sachsenpokal oder Relegationsspiel gegen Lotte, aber auch nicht zu unterkühlt. Da entwickelt sich was, auf angenehme Weise. Und das gefällt – hoffentlich, soviel persönlicher Kommentar sei noch erlaubt, dann auch in der Zweiten Liga.

Auf Kurs 30. Mai 2013

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RB Leipzig ist nach dem Hinspiel der Regionalliga-Relegation gegen die Sportfreunde Lotte auf Kurs. So und nicht anders, nicht mehr und nicht weniger stellt der 2:0-Erfolg im Zentralstadion dar. Es war ein hart umkämpftes Spiel mit wenig Spielfluss, letztendlich präsentierte sich die Mannschaft von RB sehr effektiv. Nutzte das Elfmeter-Geschenk der Gäste, am Ende stach auch Joker Matthias Morys wieder – wie schon im Pokalfinale gegen Chemnitz.

Sportfreunde Lotte – ist schon ein putziger Name. Und doch muss da ja eine gewisse Qualität dahinterstehen, anders hätte man sich bestimmt nicht für diese Relegation qualifiziert. Schon der Blick auf den Kader gibt zumindest einige Namen aus höheren Spielklassen preis: Kotuljac, Shapourzadeh, Chahed. Vor dem Spiel gaben sich die Sportfreunde mal vorlaut, mal optimistisch, in den letzten Tagen vor der Partie versuchte man jedoch dann wieder (nicht ganz ungeschickt) RB in die Favoritenrolle zu rücken.

Wirkliche Struktur gab es in dieser Partie nicht. Vielmehr eine Menge Unterbrechungen – auch der eher kleinlichen Linie von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus geschuldet – besonders in der ersten Halbzeit. In den ersten 45 Minuten hatte Lotte prinzipiell etwas mehr vom Spiel, wenn auch eher durch Standardsituationen. Beide Abwehrreihen standen sehr konzentriert, das Mittelfeld machte es ihnen aber auch nicht zu schwer. Die Wende kam direkt nach dem Wiederanpfiff, als es einen berechtigten Strafstoß für RB gab und Stefan Kutschke eiskalt verwandelte. Fortan kontrollierten die Rasenballer das Geschehen etwas mehr, kamen später durch Joker Morys zum 2:0. Am Ende ein durchaus verdienter Sieg, wenn vielleicht auch ein Tor zu hoch.

Trotz der ungünstigen Anstoßzeit (17:30 Uhr mitten in der Woche) kamen 30.100 Zuschauer ins Stadion. Mehr Besucher bei einer Partie zweier Viertligisten als bei manchem Bundesliga-Verein. Das war großes Kino – auch atmosphärisch, wenn auch berechtigterweise nicht ganz so ausgelassen wie beim Pokalsieg vor zwei Wochen. Die Zuschauermassen zeigten allerdings auch einmal mehr die logistischen Probleme rund um dieses Stadion auf. Einen derartigen Ansturm konnte man nach den Vorverkaufszahlen erahnen. Auch, dass wegen der Anstoßzeit die meisten Zuschauer erst kurz vor Anpfiff kommen würden. Es gab das übliche Chaos bei den Einlasskontrollen – wobei hier weniger die Leibesvisitation das Problem darstellt, sondern eher die Barcode-Scanner der Grund allen Übels sind. Diese funktionieren in zehn Fällen vielleicht zweimal und bringen Fans wie Ordner zur Verzweiflung, schüren unnötig Aggression. Zehn Minuten vor Anpfiff öffnete man dann zumindest vor Sektor C die Tore – und nimmt hoffentlich die Erkenntnis mit, dass so ein Vorgehen mehr als amateurhaft ist. Das viel größere Unding allerdings war das Verhalten der Sicherheitskräfte am besagten Eingang: Ein Zuschauer wollte mit seinem Handy das Chaos festhalten – eigentlich kein verwerflicher Vorgang. Warum er dafür von Ordnern angepöbelt wurde und von Polizisten abgeführt? Das wird wohl das Geheimnis des Familienvereins bleiben.

Kein Wort zum versuchten Blocksturm. Einfach nur dämlich. Meckern möchte ich aber abschließend noch über RB-Torwart Coltori. Egal, ob die Rote Karte für Shapourzadeh berechtigt war oder nicht – diese Schauspieleinlage war einfach nur peinlich für einen ehemaligen Nationaltorwart. Absoluter Fremdschäm-Moment in letzter Sekunde. Eigentlich müsste man ihn dafür auch sperren, unsportlicher geht es einfach nicht mehr: Erst den sterbenden Schwan spielen, dann zum Protestieren aufspringen, abschließend außerhalb des Blickfeldes der Schiedsrichterin wieder abnippeln. Muss das sein? Bitte verkaufen.

Nichts gewonnen – nichts verloren 25. Mai 2013

Posted by Max in : Bundesliga,Nordostfussball , 1 comment so far

Relegation heißt das Zauberwort. Die Chance für früher fest abgestiegene Vereine, eine verkorkste Saison zu retten. Aber auch die Gefahr für einen Verein aus der tieferen Liga, nach einer starken Saison im letzten Moment noch das nahe scheinende Ziel aus den Augen zu verlieren. Kritiker bemängeln, dass die Tagesform in zwei Spielen den Verlauf einer kompletten Spielzeit auf den Kopf stellen könnte. Wozu 34 bzw. sogar 38 Spiele Vorlauf – braucht es die Spannung danach wirklich noch? Hat ein Team nach einem Dreivierteljahr Spielzeit nicht ausreichend seine Tauglichkeit oder Untauglichkeit unter Beweis gestellt?

Wie auch immer, in Dresden bei der SG Dynamo wird man froh sein über die Möglichkeit, sich jetzt doch noch in zwei Partien gegen den VfL Osnabrück den Klassenerhalt zu sichern. Nach einer durchwachsenen Saison an der Elbe gab es gestern Teil 1 der Relegations-Wiederholung von 2011 – wenn auch damals unter umgekehrten Vorzeichen. Die Dresdner müssen sich den Vorwurf machen lassen, in der regulären Saison durch das häufige Auslassen von guten Möglichkeiten auf Punkte selbst in diese Situation gekommen zu sein. Der im Dezember vollzogene Trainerwechsel von Ralf Loose zu Peter Pacult hat seine Wirkung zwar nicht verfehlt, aber auch nicht die erhoffte befreiende Wirkung gehabt. Nun also Relegation gegen einen VfL Osnabrück, der turbulente Tage hinter sich hat mit dem spektakulären Ausscheiden von Trainer Wollitz. Trotzdem haben sich die Niedersachsen in der Endphase der Dritten Liga in einem engen Kampf um Platz Drei noch durchgesetzt.

Es ging gestern Abend also um viel in Osnabrück – schließlich musste eine gute Ausgangslage geschaffen werden für das Rückspiel. Entsprechend amibitioniert bestritten beide Mannschaften ein rassiges Spiel. Das Ergebnis von 1:0 für den VfL Osnabrück spiegelt nach 90 Minuten auf der einen Seite ein ungerechtes Ergebnis wieder, auf der anderen Seite zeigt es großartig das schon eine gesamte Saison andauernde Dilemma von Dynamo auf. Zahlreiche große Torchancen ließen die Schwarz-Gelben liegen, mindestens zwei Tore wären ein gerechter Lohn für die Bemühungen gewesen.

Doch nur der VfL Osnabrück traf in der 43. Minute, nach einem schweren Stellungsfehler vom ansonsten großartigen Benjamin Kirsten. Ausgerechnet Kirsten. Der hielt später seinen fünften Strafstoß der Saison (von sieben Versuchen der Gegner), nachdem Romain Bregerie zuvor arg ungeschickt den Ball mit der Hand spielte. Insgesamt beschränkten sich die Hausherren neben diesen beiden Aktionen aber auf ein sehr abwartendes Spiel, wagten sich nur selten aus der Deckung heraus, ohne dabei defensiv wirklich überzeugend zu wirken. Kaum Ideen, wenig Kreativität und trotzdem 1:0 gewonnen – so wird man auch Champions League Sieger.

In der Endphase verweigerte Schiedsrichter Günter Perl den Dresdnern auch noch einen Handelfmeter. Es kam wieder alles zusammen. Und so bleibt den Sachsen aus der Landeshauptstadt nun nur noch die allerletzte Chance am Dienstag im eigenen Stadion. Der Ball muss ins Tor. Egal wie!

Auf dem Weg nach Berlin 16. Mai 2013

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“Berlin, Berlin – wir fahren nach Berlin!” Natürlich durfte auch dieser Schlachtruf am gestrigen Abend nicht fehlen. Das ist ja bekanntlich ein Running Gag in den regionalen Pokalwettbewerben, der selbst bei Bezirksligisten gebracht wird, wenn man in der ersten Runde gegen einen anderen Bezirksligisten eine Runde weiter gekommen ist. Etwas ernsthafter, wenn auch nicht minder unrealistisch sind nun die Hoffnung des Leipziger Publikums nach dem gestrigen furiosen 4:2-Pokalsieg gegen den Chemnitzer FC. Mit diesem Erfolg qualifizierten sich die Roten Bullen zum zweiten Mal nach 2011 nun auch für den DFB-Pokal. Damals reichte es sogar zum Erstrundensieg gegen den VfL Wolfsburg, danach scheiterte man am FC Augsburg. Wie auch schon vor zwei Jahren hieß der Gegner vom RB Leipzig im Finale des Sachsenpokals Chemnitzer FC. Nach zuletzt vielen zähen Spielen gegen hoffnungslos unterlegene, gnadenlos defensiv eingestellte Gegner endlich mal wieder ein Kontrahent auf Augenhöhe.

Natürlich wollten beide Mannschaften den Pokal gewinnen, um vielleicht Anfang der nächsten Saison gleich einen großen Namen als Gegner für die erste DFB-Pokal-Runde zu bekommen. Doch der Leidensdruck für die Leipziger dürfte etwas höher gewesen sein: Natürlich ist das Engagement von Sponsor Red Bull in Leipzig auf schnelle sportliche Erfolge ausgelegt. Und nach nun schon zwei ungeplanten Ehrenrunden in der Regionalliga ist der schnellste Weg, bundesweite Aufmerksamkeit zu erlangen, der DFB-Pokal. Man bekam ja in der vorletzten Spielzeit schon einen Vorgeschmack darauf, was bei großen Spielen in Leipzig alles möglich ist.

Apropos großes Spiel: Das war das Pokalfinale 2013 durchaus. Zwei Mannschaften mit viel Leidenschaft und hohem Einsatz schenkten sich von der ersten Minute keinen Zentimeter. Schon nach drei Minuten war mehr Tempo und Aktion im Spiel als in der gesamten Partie gegen den 1. FC Lok eine Woche zuvor. RB begann dynamisch und versuchte sofort, auf das Führungstor zu drängen – nur es traf der Chemnitzer FC, bereits in der 6. Minute. Doch der weitere Spielverlauf zeigte ein völlig neues Bild der RB-Mannschaft. Bei allem Respekt vor den bisher gezeigten Leistungen und den ehrenwerten Spielern: So viel Leidenschaft hatte man den oft als Söldner bezeichneten Kickern kaum zugetraut. Trotz zweier Gegentore zu sogenannten psychologisch ungünstigen Zeitpunkten hat man nie aufgesteckt und das Spiel noch gedreht. 1:2 lag RB zur Halbzeit zurück.

Es war eine Partie mit offenem Visier von beiden Seiten. Sechs Tore konnten in diesem Finale aber auch nur fallen, weil die Abwehrreihen teilweise große Schwächen offenbarten. Wie schon beim Stadtderby zeigte sich außerdem die Tendenz, das Mittelfeld teilweise komplett außen vor zu lassen, was bei den zahlreichen Fehlern der Mittelfeldakteure im Spielaufbau aber auch nur Selbstschutz der Mannschaft sein kann. Die entscheidende Szene trug sich Mitte der zweiten Halbzeit zu, als RB beim Stand von immer noch 2:1 für Chemnitz einen Ball im letzten Moment von der Linie kratzte. Nach vertagter Vorentscheidung drängte RB immer weiter und drehte die Partie. Das Highlight markierte dabei das äußerst sehenswerte, wenn auch sehr kuriose 3:2 von Timo Röttger.

Am Ende steht ein verdienter Pokalsieg für RB Leipzig. Die Roten Bullen präsentierten sich auf Augenhöhe mit dem klassenhöheren Chemnitzer FC, besiegten diesen durch ein hohes Maß an Leidenschaft und Einsatz. Höhere Spielanteile und leichtes Chancenplus gaben den entscheidenden Ausschlag. Und Chemnitz? Vielleicht ergibt sich ja doch noch eine Chance zur Teilnahme im DFB-Pokal. Offenbar ist sich der Verband noch nicht sicher, wie man den freien Pokalplatz nach dem endgültigen Ausschluss von Dynamo Dresden vergeben will. Der DFB hat laut MDR eine klare Regelung, es gibt aber wohl intern noch unterschiedliche Meinungen. Die Tendenz geht aber wohl eher dahin, dass Chemnitz nächste Saison nicht dabei ist.

Zum Schluss noch ein paar Worte zur Pokalstimmung im Stadion. Mit knapp 17.000 Zuschauern gab es diesmal etwas weniger Besucher als vor einer Woche zum Derby. Die Atmosphäre war jedoch einmal mehr sehr überzeugend, von beiden Seiten. Aber auch die Begeisterungsfähigkeit der RB-Anhänger. Das fühlt sich nicht so künstlich an wie etwa in Hoffenheim. Leipzig lechzt nach erfolgreichem Fussball abseits regionaler Untiefen und das ist auch gut so!