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Buchkritik: Absolute Dynamite! 31. März 2013

Posted by Max in : Medien , add a comment

Der Englische Fussball verströmt seinen ganz eigenen Charme. Insbesondere dann, wenn man selbst noch relativ wenig erlebt hat im Mutterland des Fussballs und sich die Erfahrungen auf zwei Stadionbesuche in Fulham und Glasgow beschränken. Deshalb mag ich Bücher wie Absolute Dynamite! von Carsten Germann, welche einem die besondere Atmosphäre des Fussballs auf der Insel etwas begreifbarer machen.

Dem aufmerksamen, langjährigen Leser dieses Blogs dürfte der Name Carsten Germann durchaus bekannt vorkommen: Vor etwa viereinhalb Jahren rezensierte ich bereits football’s home, als dessen Fortsetzung nun also Absolute Dynamite! erschienen ist. Germann liefert 26 neue Geschichten aus England, diesmal sogar auch aus Wales, Nordirland und Schottland.

Carsten Germann, geboren im Jahr 1972, arbeitet seit vielen Jahren als Sportjournalist und gilt als ausgezeichneter Kenner der britischen Fussballszene. Er arbeitet als freier Journalist für verschiedene Print- und Online-Medien, meist mit Berichten von der Insel, aber durchaus auch mal über allgemeine Sportthemen oder Fussball aus Deutschland. Neben den beiden genannten Büchern veröffentlichte er die Vereinschronik des FK Pirmasens und ein Lexikon über die 150 besten WM-Spieler aller Zeiten.

Die knapp 250 Seiten von Absolute Dynamite! sind ein würdiger Nachfolger seines Vorgängers. In bekannter Weise gibt es 26 interessante Geschichten aus dem britischen Fussball. Dabei unterliegen die Kapitel keiner besonderen Ordnung, alles wirkt lose wie zugeflatterte Zettel. Doch das braucht es auch nicht unbedingt – der Inhalt ist spannend genug. Germann bewältigt dabei einen großen Spagat: Er berichtet sowohl über die zunehmende Kommerzialisierung (Manchester City & Co.), über Weltstars wie Sven-Göran Eriksson oder Titelheld Michael Owen, aber auch über kleine Vereine wie The New Saints FC, FC East Stirlingshire und das Online-Projekt Ebbsfleet United. Aber auch die Tragödie von Hillsborough oder die erbitterte Rivalität zwischen Rapid Wien und Celtic Glasgow. Groundhopper im Rentenalter kommen ebenso zu Wort wie Tony Adams.

Insgesamt präsentiert sich das Buch als bunter, sehr lesenswerter Abriss durch den britischen Fussball. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit bilden die einzelnen Geschichten doch ein abgeschlossenes, rundes Gesamtbild. Und machen Hunger auf mehr. Freilich ist nicht jede Story im Buch von der gleichen Qualität und hohem Informationsgehalt, über den FC Wimbledon und seinen Niedergang in Milton Keynes hatte ich in den letzten Jahren schon häufiger gelesen und auch zwei, drei andere Beiträge ziehen sich etwas in der Länge.

Das tut dem Gesamteindruck jedoch kaum einen Abbruch. Wer mehr über den britischen Fussball in seiner Vielfalt erfahren möchte, sollte dieses Buch lesen!

Buchkritik: Aus spitzem Winkel (Marcel Reif) 7. Januar 2013

Posted by Max in : Medien , add a comment

Es wird mal wieder Zeit für eine Buchkritik. Nachdem ich mich ein halbes Jahr durch die 1000 Seiten von Robert Musils Lebenswerk “Der Mann ohne Eigenschaften” gekämpft habe, gab es anschließend quasi etwas diametral entgegengesetztes. Schon vor einiger Zeit brachte mir Moritz das Buch Aus spitzem Winkel, die Autobiografie von Sky-Kommentator Marcel Reif aus dem Jahr 2004 mit. Nun kam ich endlich dazu, das Werk – wenn natürlich nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand – zu lesen.

Über die Person Marcel Reif brauche ich wohl wenig zu schreiben. Deshalb möchte ich, bevor die Buchkritik folgt, kurz meine Meinung zu Marcel Reif kundtun. Es gibt wohl kaum einen Kommentator im deutschen Fernsehen, der Fussball-Fans mehr polarisiert. Die Diskrepanz im Ansehen Marcel Reifs zeigt sich schon in der Einschätzung, das die gefühlte Hälfte der Zuschauer ihn als Bayern-Fan ansieht, während die andere Hälfte strikt der Meinung ist, er hasst den FC Bayern. Für die nächsten ist er der Dauernörgler, für andere wiederum der weiterhin beste Reporter des Landes. Ich habe eine (hoffentlich) ausgewogene Meinung zu Marcel Reif: Ich konnte bei ihm bisher keine klare Tendenz pro oder contra Bayern erkennen. Er hat mir schon bei vielen Spielen gezeigt, warum er den Stellenwert als Chef-Kommentator genießt. Und er hat mir auch schon bewiesen, warum er oft hart kritisiert wird. In vielen Spielen ist er ein guter Kommentar, in manchen Spielen Weltklasse und an einigen Tagen gefällt er mir überhaupt nicht. Was ich aber an einem Spieltag mit Marcel Reif zu hören bekomme, ist für mich vorher nicht klar. Eigentlich höre ich ihn aber doch gerne.

Die Autobiografie von Reif lebt aber durchaus nicht ausschließlich von den Kontroversen, welche dieser Mann bietet. Vielmehr ist es in weiten Teilen eine chronologische Nacherzählung seiner Karriere als Fussballer und Journalist. Natürlich alles aus der Sicht von Reif – aber dafür ist es ja schließlich auch eine Autobiografie. Bisweilen entsteht aber der Eindruck, der Weg von Reif nach oben scheint mehr eine Verkettung extremer Zufälle gewesen zu sein. Manchmal liest sich der Weg vom Nebenjobber in Mainz über den London-Korrespondenten bis zum Chefkommentator so, als hätte man ihn zu seinem Glück zwingen müssen. Als wäre Marcel Reif ohne den ehemaligen ZDF-Sportchef Dieter Kürten noch heute ein harmloser Beitragsmacher im Öffentlich-Rechtlichen Apparat. So richtig glaubwürdig scheint das nicht, zumal Reif von seiner gescheiterten Zeit als Inhaber eines Ladens für italienische Designerkleidung in Mainz schreibt und dies gar nicht zu der in der Journalisten-Laufbahn an den Tag gelegten Demut passen will.

Über weite Strecken jedoch bleibt Reif glaubwürdig. Das Buch enthält einige interessante Aspekte. Etwa jenen, dass Reif zumindest beteiligt gewesen sein will, die Sprache der Fussball-Kommentatoren in Deutschland geändert zu haben. Ich kann das nun aufgrund meines Alters – meine erste Berührung mit Reif war das Finale der Champions League 1999 – schwer einschätzen, doch die Kontroversen um seinen Stil noch im Jahr 2012 lassen vermuten, dass er nicht unrecht hat. Und beim Erblicken alter Wiederholungen aus den 1970er-/1980er-Jahren schien mir dieser Umbruch in der Ausdrucksweise auch zwingend nötig. Neben dieser Passage gibt es im Buch einige weitere Abschnitte, in denen der Leser sich ein Bild vom Menschen Marcel Reif machen kann. Auch wenn man es mit der gebotenen Vorsicht liest, bekommt man einen guten Eindruck davon, warum Reif so oder so denkt und damit vielleicht auch Konflikte heraufbeschwört. Er erklärt, warum er auf der Tribüne schon Wutausbrüche hatte und es klingt durchaus authentisch und nachvollziehbar.

Doch auch wer ein paar Fakten zur Karriere von Reif, oder gar “handwerkliche” Informationen lesen möchte, wird nicht enttäuscht. Besonders interessant etwa fand ich seine Schilderung des Vertragspokers beim Wechsel vom ZDF zu RTL. Man bekommt einen guten Eindruck von dem Vorgehen der aufstrebenden Privatsender in den 1990er-Jahren beim Kampf um hochklassiges Personal. Reif beschreibt, wieso RTL Sportübertragungen als Events aufgezogen hat und damit die Wahrnehmung ganzer Sportarten und Person nachhaltig veränderte. Und wer wusste schon, dass Reif Anfang des 21. Jahrhunderts bei Sat.1 eine Quizshow moderierte, die aber nie ausgestrahlt wurde, weil sie bei einem Testpublikum gnadenlos durchgefallen war?

Ich habe das Buch von Reif gerne gelesen. Wer sich für den Weg eines Kommentators interessiert, kann Aus spitzem Winkel interessante Erkenntnisse ziehen. Oder derjenige, der gerne mehr über die Person Marcel Reif erfahren möchte. Wer jedoch eine gespaltene Meinung zu Reif hat, ihn nicht leiden kann oder zumindest schon Vorurteile hat, sollte die Finger davon lassen. Man wird dann nur eine Bestätigung seiner Denkweisen finden.

Vorfestliche Polemik 22. Dezember 2012

Posted by Max in : Bundesliga,Medien , add a comment

Wir stehen kurz vor Weihnachten und da soll man sich doch nicht aufregen. Also haben sich in Dortmund hoffentlich die Gemüter nach dem 16. Spieltag – Stichwort Wolfgang Stark – auch wieder abgekühlt, zumindest scheint die mediale Hetzjagd gegen den Schiedsrichter erst einmal beendet. Da ich mich über meine steigende Abneigung gegen den BVB in den nächsten Tagen auslassen werde (Frohes Fest!), gibt es heute nur zwei Empfehlungen, wo man sich sehr sachlich mit dem Thema Schiedsrichter auseinandergesetzt hat.

Da wäre zum einen der “Schiri-Check” von SPOX. Eine sachliche, auf Fakten beruhende Analyse. Und mit einer interessanten Erkenntnis, sicher auch für Anhänger aus Dortmund:

Wolfgang Stark hat vor dem Match gegen den VfL Wolfsburg in den letzten anderthalb Jahre drei Bundesligaspiele mit BVB-Beteiligung geleitet und sich dabei eine einzige Fehlentscheidung zu Schulden kommen lassen – und zwar zu Gunsten des BVB: Mats Hummels hätte am 4. Spieltag der Saison 2011/2012 im Spiel gegen Bayer Leverkusen zwingend Gelb-Rot sehen müssen – Wolfgang Stark unterließ jedoch die gebotene Verwarnung.

Und die Meisterschaft wird der BVB auch nicht durch Stark verloren haben, dafür waren die Leistungen zu Beginn einfach zu schlecht.

Eine sehr angenehme und sachliche Auseinandersetzung gibt es seit einiger Zeit auch im neuen Schiedsrichter-Podcast “Collinas Erben” auf Fokus Fussball.

In diesem Sinne wünsche ich allen Schiedsrichtern und Schiedsrichterverstehern ein frohes Weihnachtsfest!

Des Kaisers neue Kleider 7. November 2012

Posted by Moritz in : Medien , add a comment

Es gibt Tatsachen, die sind einfach wie sie sind. Oft werden sie diskutiert. Gerade zu tot geredet bis sich keiner mehr traut sie auszusprechen und sie deshalb wieder ein Vergessenheit geraten. Gut, dass es ständige Mahner gibt, die kurz und prägnant ihre Bedenken schildern und eben dies verhindern. Diese weltgewandten Intellektuellen tun das mit einer solchen Tiefe, dass die Aussage allgemeingültig einfach für sich steht und den Leser in einem Moment des Nachdenkens zurücklasst.

Die Wirkung potenziert sich, wenn sie einem an einem überraschend Ort begegnen. Eine solcher war der heutige Sportteil der lokalen Zeitung. Die ganze Aussage, der ganze “Artikel” gar, beläuft sich auf gerade einmal zwölf für sich stehende, quellenlose Worte:

Franz Beckenbauer vermisst bei der deutschen Fußballnationalmannschaft frühere Tugenden wie kämpferischen Einsatz. [LVZ, 7.11.12]

Wer erinnert sich nicht an des Kaísers neue Kleider. Hier ist der Kaiser das Kind.

Danke, Armin! 13. September 2012

Posted by Max in : Medien,WM 2014 , add a comment

Mehmet Scholl symbolisiert für mich die fleischgewordene Führungsspielerdebatte.

Deshalb ist es heute einfach mal Zeit “Danke” zu sagen für Armin Vehs Meinung zum ARD-Experten. Selbiges habe ich mir in letzter Zeit auch oft gedacht:

Dem früheren Bayern-Profi Scholl, der als Experte für die ARD tätig ist, gleichzeitig aber auch die zweite Mannschaft der Münchner betreut, empfahl Veh, er solle sich “lieber mal um seine eigene Mannschaft kümmern und ordentlich trainieren, bevor er den Ober-Kritiker spielt”. (Quelle: Spox)