Die Sache mit der Ethik

Posted by Max on November 22, 2014
Fussball International / No Comments

Um ehrlich zu sein, war der Begriff Ethik für mich schon immer äußerst schwammig und unklar besetzt. Das liegt wohl vor allem an der mangelhaften Schulbildung dazu. Zwar gab es ein Fach mit dem Namen Ethik, doch gelehrt wurde es abwechselnd von einem älteren Sportlehrer, der wohl mit der Wiedervereinigung sein sozialistisch angehauchtes Zweitfach verloren hat und dann in den 1990ern umgeschult wurde, und einer jüngeren, seltsamen Kunstlehrerin, die später erst ein komplettes Jahr fehlte und danach endgültig verschwunden war – in der Psychiatrie, wie man munkelte. In der Oberstufe gab es dann einen weiteren umfunktionierten Sportlehrer kurz vor dem Eintritt in den Ruhestand, der die 90 Minuten meist mit endlosen Monologen über Gott und die Welt, insbesondere aber über sein Hobby Napoleon und die Völkerschlacht verbrachte. In acht Jahren Ethikunterricht ist mir nicht klar geworden, was Sinn und Zweck dieser Disziplin sein sollte, außer ein wie auch immer geartetes Gegengewicht zum Religionsunterricht zu bilden. Die Lexikondefinition (“spezifisch moralisches Handeln, insbesondere hinsichtlich ihrer Begründbarkeit und Reflexion” – Wikipedia) jedenfalls suchte man im Lehrplan vergebens.

Im Jahr 2014 nun – mehr als sieben Jahre nach meiner letzten Ethik-Unterrichtsstunde – muss ich feststellen, dass ich wohl nicht alleine bin mit meinem Unwissen über die korrekte Definition. Oder dass das, was man sich in all den scheinbar inhaltsleeren Stunden hat versucht unter dem Begriff Ethik vorzustellen, nicht ganz der gelebten Praxis entspricht. Zumindest im Fußball. Genauer bei der FIFA. Das Erstaunen war schon groß, als ausgerechnet der wohl korrupteste Sportverband der Welt als Reaktion auf die zweifelhafte Doppelvergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 eine Ethikkommission einsetzte, welche sich mit den scharfen Vorwürfen auseinandersetzen sollte.

Nun dauerte es fast vier Jahre seit jenem erschütternden 2. Dezember 2010, dem Tag der Ernennung von Russland und Katar als WM-Ausrichter, bis der Bericht vorgelegt wurde. Das Ergebnis ist ein wieder mal ein echtes FIFA-Meisterstück. Der Verband war ja schon bekannt für seine ganz eigene Weltsicht. Reihenweise für jeden normalen Menschen lachhafter Dokumente, Aussagen und Stellungnahmen wurden in den letzten Jahren (Jahrzehnten) produziert. Mit dem Ergebnis der neuesten Untersuchungen jedoch hat der Weltverband sein wohl größtes Werk dieser Art aller Zeiten abgeliefert. Keine feststellbaren schwerwiegenden Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der beiden Weltmeisterschaften. Vielmehr waren es die Mitbewerber, die sich die ein oder andere ethische Verfehlung leisteten und FIFA-Funktionäre mit Geschenken und Zuwendungen bedachten. Völlig raus ist natürlich Sepp Blatter, unser liebster Fußball-Opi, der mit der ganzen Sache sozusagen überhaupt nichts zu tun hat. Sagt eine von der FIFA eingesetzte Untersuchungskommission. Der Verband, dessen Funktionäre sich mit der erstmaligen Durchführung einer Doppelvergabe kurz vor dem Erreichen der natürlichen Altersgrenze schön doppelt die Taschen vollgehauen haben.

Es lohnt sich an dieser Stelle wohl ein paar Zitate aus der sogenannten Presidential Note im FIFA-Magazin FIFA Weekly anzuführen. Sepp Blatter schreibt dort unter der Überschrift “Neid muss man sich verdienen”:

Vor allem wenn es um die FIFA (und ihren Präsidenten) geht, bleibt allerdings oft die Objektivität auf der Strecke.
Gelegentlich kommt es mir so vor, als sei ich an allem Ungemach auf dieser Welt Schuld: An der Abholzung des Regenwaldes, am Bahnstreik in Deutschland, an den regelmässigen Vulkanausbrüchen auf Island […]. Ich gehe davon aus, dass ich auf für das miserable Wetter in der Schweiz in diesem Sommer verantwortlich bin. Dann müsste man allerdings fair bleiben – und mir das Verdienst an diesem wunderschönen Herbst zugestehen.

Es lohnt sich gar nicht über diesen Blatter’schen Beitrag aufzuregen. Er zeigt nur einmal mehr, wie weit entfernt der Präsident und seine Gefolgschaft mittlerweile vom tatsächlichen Leben sind, von irgendeiner Spur von Anstand (Ethik) oder Rechtsverständnis. Gäbe es zumindest im Hintergrund noch klar denkende Menschen, sie hätten Blatter wohl in der aktuellen Phase von diesem Beitrag abgeraten.

Zugegebenermaßen habe ich nicht unbedingt ein Problem damit, dass die Weltmeisterschaften in Russland oder Katar stattfinden. Es ist aber das wie der Turniervergabe und eine allgemeine Angst darum, was aus dem Fußball langfristig wird mit diesem Weltverband. Ich bin jetzt 25 Jahre alt und werde hoffentlich noch weit mehr als ein halbes Jahrhundert Fußball erleben. Doch wohin der Weg mit dieser FIFA führen wird, ist mir derzeit völlig schleierhaft. Im schlechtesten Fall ist Sepp Blatter noch zehn oder ein paar Jahre mehr an der Macht, doch ich bin ziemlich sicher, im Hintergrund lauern bereits neue Schergen, die mindestens auf dem gleichen Level agieren oder noch bessere Tricks auf Lager haben.

Gibt es überhaupt irgendwelche wirksamen Mittel, um die FIFA in einen ernsthaften Reformprozess zu drängen? Seit vier Jahren spielt Blatter die Zeitkarte, und hat damit augenscheinlich Erfolg. Der Bericht der Ethikkommission befeuert zwar derzeit extreme Diskussionen, diese aber ändern inhaltlich nichts. Keine vier Jahre mehr bis zur Weltmeisterschaft in Russland, die Uhr tickt weiterhin für den Weltverband. Denn irgendwann kommt der Punkt, an dem es für einen Umschwung und eine Neuvergabe schlicht zu spät ist, weil so eine WM zwangsläufig einen großen Vorbereitungsaufwand bedeutet. Was mir dieser Tage wieder bewusst geworden ist: Die Empörung allerorten (außer in Zürich) ist jetzt freilich wieder groß, aber wirklich aktiv geworden ist von den Mächtigen, den Einflusshabenden in den letzten Jahren keiner. Weder Funktionäre der scheinbar empörten Verbände noch die noch mehr empörten Politiker. Zu groß ist offenbar die Abhängigkeit von der FIFA. Zu groß sind offenbar dann doch die Annehmlichkeiten, die man bei Folgsamkeit im Windschatten des großen Geldes genießt.

An einigen Stellen wurde in den letzten Tagen bereits ein WM-Boykott der UEFA-Mitglieder gefordert, etwa von der Spitze der DFL. Es wäre wahrscheinlich ein wirksames Mittel, wenn eine große Anzahl namhafter Fußballnationen dem Weltturnier fernbleiben würde – das würde dem Ansehen des Premiumproduktes der FIFA schaden, deren wütenden Gegenmaßnahmen man sich wohl kaum sinnvoll ausmalen kann. Ein Verzicht auf dieses Turnier würde aber eben auch in den boykottierenden Ländern einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden bedeuten. Für die Verbände, aber auch für Sponsoren, Medien usw. Das wäre insbesondere auch aus politischer Sicht ein kaum tragbares Risiko. Und führt nur noch mehr vor Augen, wie abhängig die Wirtschaft mittlerweile vom sportlichen Zugpferd Fußball ist. Außerdem würde ein WM-Boykott auch zu Lasten der betroffenen Spieler gehen. Mich würde das Ergebnis einer Spielerumfrage dazu brennend interessieren – denn ich kann mir nicht vorstellen, dass die eigentlich wichtigen Akteure sich eine der wenigen Chancen auf eine Teilnahme am wichtigsten Turnier ihres Sports entgehen lassen wollen.

Mir fehlt aktuell die Fantasie, wie man die FIFA, aber auch den Weltfußball und seine Machtgefüge so reformieren könnte, dass es für fast alle Seiten ein tragbares Ergebnis gibt. Selbst eine Absetzung von Sepp Blatter wäre bloß der Tropfen auf den heißen Stein – potente Nachfolger sind sicher schon in Lauerstellung. Für mich bleibt aktuell nur die Hoffnung, dass es irgendwann unwiederlegbare, auch juristisch hart verwertbare Fakten gibt, die selbst beim mehr als zweifelhaften Ethikverständnis der Verbandsfunktionäre für ein Umdenken sorgen. Fakten, die dann auch bis zum Äußersten juristisch verfolgt werden.

Rot-Weiß-Rote Trilogie

Posted by Max on November 14, 2014
Fussball International / No Comments

Es war mal wieder an der Zeit für ein echtes Fußballabenteuer. Etwa ein Jahr nach unserer Reise durch England gab es diesmal Fußball aus dem Nachbarland für uns: Drei Tage Österreich, drei Spiele. Vom gesichtslosen Farmteam über den netten Vorstadtverein zum Wiener Derby – alles dabei. Ein Erlebnis- und Erfahrungsbericht.

Freitag, 7. November: FC Liefering – SV Mattersburg 3:1
Schon mal etwas vom FC Liefering gehört? Nein? Macht nichts – ohne als Leipziger mit etwas Wissen rund um Red Bull belastet zu sein, wäre mir dieser Verein wohl auch neu gewesen. Der FC Liefering ist seit dem Jahr 2012 das offizielle Farm Team von Red Bull Salzburg. Die Bullen übernahmen damals den USK Anif, da die eigene Zweite Mannschaft nicht berechtigt ist, in die Erste Liga (= zweithöchste Spielklasse in Österreich) aufzusteigen. Dieses Vorhaben gelang dann rasch mit dem neuen Verein unter der Leitung von Trainer Peter Zeidler, übrigens in Hoffenheim einst Co-Trainer von RB-Sportchef Ralf Rangnick. Red Bull bedient sich mit dem FC Liefering einer speziellen österreichischen Regelung: Obwohl Liefering rechtlich gesehen ein eigenständiger Verein ist, können eine ganze Reihe von sogenannten Kooperationsspielern beliebig von A nach B geschoben werden, zu jeder Zeit der Saison. So kam es, dass am vergangenen Freitag fünf Spieler von Liefering fehlten, weil sie mit Red Bull Salzburg unterwegs waren – ganz so, wie man es also eigentlich von den zweiten Mannschaften kennt. Weiter nach oben soll es für das Farmteam aber nicht mehr gehen, der Verein hat freiwillig einen Aufstiegsverzicht unterzeichnet – wohl auch, um möglichen rechtlichen Streitigkeiten bei einem durchaus denkbaren Aufstieg in die Bundesliga aus dem Weg zu gehen. Nichtsdestotrotz stellt sich natürlich die Frage nach einer Wettbewerbsverzerrung, wenn der FC Liefering zwar oben mitspielt, aber gar nicht aufsteigen will. Kann man so vielleicht sogar direkt Einfluss darauf nehmen, wer aufsteigt und damit in der kommenden Saison gegen Red Bull Salzburg antreten darf?

Zum Spiel: Auf dem Papier war es ein Spitzenspiel, Liefering traf als Tabellenzweiter auf den Drittplatzierten SV Mattersburg. Doch auf dem Platz offenbarte sich schnell ein deutlicher Klassenunterschied. Die Gäste aus dem Burgenland – früher unter anderem Heimat von Carsten Jancker – fanden kein Mittel gegen die jungen, schnellen und frischer wirkenden Salzburger. Dennoch dauerte es aufgrund vieler Ungenauigkeiten bis zur 41. Minute, dass Lucas Venuto Liefering in Führung brachte. Direkt nach der Halbzeitpause gab es dann das schnelle 2:0 durch Felipe Pires, ehe Mergim Berisha in der 74. Spielminute nur fünfzig Sekunden nach seiner Einwechslung zum Debüt das dritte Tor erzielte. Erst zehn Minuten vor Abpfiff gelang Mattersburg der Anschlusstreffer, doch Spannung kam nicht mehr auf, die Hausherren hatten alles unter Kontrolle. Letztendlich ein verdienter Sieg für den FC Liefering.
Gespielt wurde in der Red Bull Arena am Rand von Salzburg, genau neben einem großen Einkaufspark. Die Stimmung im Stadion war äußerst bizarr, denn wirkliche Fans im klassischen Sinn gab es beim FC Liefering nicht. Das Publikum setzte sich eher aus einer ganzen Reihe Spieler der ersten Mannschaft, deren Freunde und Angehörigen und Kindern sowie sehr wenigen, vereinzelten RB-Hardcoregängern zusammen. Letztendlich verirrten sich knapp 550 Zuschauer in ein Stadion, welches eigentlich knapp 32.000 Besuchern Platz bietet. Während in Leipzig aufgrund des positiven Zuspruchs die Diskussionen rund um den neuen Verein mitunter etwas bemüht wirken, bekam man in Liefering schon eher ein Gefühl, welchen (negativen) Einfluss derartiges Sponsoring auf den Fußball und seine Traditionen haben kann. Das große Bullenbanner auf der Tribüne mit der Aufschrift “Für immer Salzburg” wirkt da schon fast wie eine Drohung.

Samstag, 8. November: Admira Wacker Mödling – SC Wiener Neustadt 1:1
Weiter ging es am Samstag nach Wien. Genauer gesagt nach Maria Enzersdorf, wo Admira Wacker Mödling in der Südstadt mit der BSFZ-Arena seine Heimat hat. Admira Wackers jüngste Zukunft ist geprägt vom Engagement des Unternehmers Richard Trenkwalder – Gründer jener gleichnamiger Personaldienstleisterfirma, die in Deutschland unter anderem durch Saisonarbeiterskandal mit Amazon in die Schlagzeilen geriet. Mit Trenkwalders Engagement gelang 2011 der Aufstieg in die Bundesliga, schon im ersten Jahr in der höchsten Spielklasse gelang der Sprung auf den dritten Platz und die Qualifikation für die Europa League, wo man letztendlich an Sparta Prag scheiterte. Mit der Dreifachbelastung und den Abgängen von Spitzenspielern wie Philipp Hosiner und Marcel Sabitzer geriet die Admira in den Abstiegskampf, rettete sich aber. Die vergangene Saison war geprägt von einem Punktabzug wegen einem Verstoß gegen die Lizenzbedingungen. Bereits 2012 stieg Trenkwalder als Sponsor wieder aus, ist nur noch als Vereinspräsident dabei – wobei die finanziellen Zuwendungen stark zurückgefahren wurden. Auch in dieser Spielzeit steckt Admira mitten im Abstiegskampf, ist Vorletzter der Tabelle. Schlechter geht es da nur noch dem Gegner SC Wiener Neustadt, ein Verein, der erst 2008 gegründet wurde und anfangs stark von Magna-Gründer Frank Stronach unterstützt. Schon 2009 gelang der Aufstieg in die Bundesliga. Doch das Schicksal ist verblüffend ähnlich mit dem von Admira Wacker: 2011 stieg Stronach mit Magna aus dem Sponsoring aus, seitdem kämpft der Verein, 2011/2012 sogar mit Peter Stöger als Trainer, regelmäßig um den Klassenerhalt.

Zum Spiel: Echter Abstiegskampf also, wobei der Abstand zwischen Admira und Wiener Neustadt vor und nach dem Spiel sechs Punkte betrug. Mit nur neun Zählern aus 15 Partien und 16:40 Toren sind die Neustädter abgeschlagen Tabellenletzter der Bundesliga. Die Erste Halbzeit gehörte dann auch klar den Hausherren, die sich wenige gute Chancen herausspielen konnten. Genutzt hat dann letztendlich Lukas Thürauer eine dieser Möglichkeiten und erzielte nach 21 Minuten das verdiente 1:0 für die Admira. Doch nach der Pause gab es einen Bruch im Spiel, und die letzten Momente spielerischer Klasse gingen verloren. Die zweiten 45 Minuten waren von beiden Seiten ein wahrer Krampf, und so fiel dann auch der Ausgleichstreffer: Ein direkter Freistoß von Kristijan Dobras prallte unabsichtlich vom Rücken eines Spielers ab und kullerte am irritierten Torwart vorbei. Fraglich blieb auch, warum Admiras Coach Walter Knaller erst in den letzten fünf Minuten reagierte und nicht vorher auf die stark abfallende Leistungskurve seiner Mannschaft reagierte. Letztendlich ein Punkt, der beiden Teams nicht weiterhalf, insbesondere aber nicht dem SC Wiener Neustadt. Und so war es dann auch das letzte Spiel vom ehemaligen Werder-Profi Heimo Pfeifenberger als Coach des Sportclubs – nach der Partie wurde er entlassen.
Die BSFZ-Arena ist ein reines Fußballstadion. Zweckmäßig, aber schmucklos. Es gibt nur eine überdachte Tribüne, der Rest der Arena ist geprägt von einem kleinen Heimblock, Steinstufen oder Graswällen, die jedoch komplett mit Werbebannern bedeckt waren. 2.355 Zuschauer wollten diese Partie sehen, davon ein kleiner versprengter Trupp aus der Wiener Neustadt. Auf Seiten der Heimfans gab es einerseits eine Vier-Mann-Kapelle, bestehend aus Trommel, Megafon, Trompete und Posaune, die offenbar nichts mit den Pyro-Fans aus dem kleinen Fanblock zu tun haben wollte. Die Gesänge bzw. musikalischen Einlagen dieser beiden Grüppchen konkurrierten regelmäßig miteinander. Es bleibt der Eindruck vom netten Vorstadtverein, der bei bescheidenen Zuschauerzahlen um das sportliche Überleben kämpft.

Sonntag, 9. November: Rapid Wien – Austria Wien 2:3
Es sollte der Höhepunkt unserer Reise werden. Und das wurde es auch – das 311. Wiener Derby hielt im Ernst-Happel-Stadion diverse positive und negative Facetten für uns bereit. Über die Geschichte und Tradition der beiden großen Wiener Klubs muss ich hier wohl nicht viele Worte verlieren. In dieser Saison hinken beide Teams derzeit den Erwartungen hinterher: Rapid als Tabellenvierter, Austria ist gar nur Sechster. Für Rapid ist es außerdem das erste Jahr nach dem Abschied vom Gerhard-Hanappi-Stadion, im Happel-Stadion hat man nun eine Interimsheimat gefunden, bis die geplante Eröffnung des neuen Allianz-Stadions (sic!) im Jahr 2016 stattfindet. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten verließen in den vergangenen Jahren einige namhafte Spieler die Mannschaft, zuletzt im Sommer etwa Christopher Trimmel (Union Berlin), Terrence Boyd (RB Leipzig), Guido Burgstaller (Cardiff City) oder Marcel Sabitzer (RB Salzburg). Die aktuelle Kampfmannschaft setzt sich aus in Deutschland weitgehend unbekannten Namen zusammen, wird als Kapitän angeführt vom früheren Bayern- und 1860-Spieler Steffen Hofmann, der bereits weit über 300 Spiele für Rapid absolvierte. Eine ähnliche Konstellation gibt es auch bei der Austria, wobei der Aderlass im Sommer nicht ganz so groß war und auch die letzte Meisterschaft (2013) mit Trainer Peter Stöger noch nicht so lange zurückliegt. Stögers Nachfolger Nenad Bjelica schaffte es im vergangenen Jahr aber nicht an die erfolgreichen Zeiten seines Vorgängers anzuknüpfen und wurde frühzeitig entlassen, Austria verpasste den Sprung in den Europapokal. Mit diesen Nachwehen hat der Verein noch heute zu kämpfen und kämpft unter Chefcoach Gerald Baumgartner bisher vergebglich um den Anschluss an die Tabellenspitze.

Zum Spiel: Die gereizte Atmosphäre, die große Rivalität der beiden Vereine war schon vor dem Anpfiff zu spüren. Trotz nur 28.200 Zuschauern im weiten Rund gab es von beiden Seiten lautstarke Unterstützung für die Mannschaften. Leider auch von Beginn an mit bengalischen Feuern und Böllern. Der Anfang der Begegnung war extrem zerfahren, es war die Austria, die nach etwa einer Viertelstunde besser ins Spiel kam, und durch einen Doppelschlag von Omer Damari (23./40. Minute) für lange Gesichter bei den Rapid-Fans sorgte. Obwohl die Austria-Fans einen Grund zum Feiern hatten, leisteten sie sich kurz vor der Halbzeitpause einen massiven Fehltritt: Mehrere Leuchtraketen flogen aus dem Austria-Fanblock direkt auf Rapid-Anhänger. Die Situation eskalierte relativ schnell – und eine schwer einzuschätzende, aber bestimmt hohe zweistellige Anzahl vermumter Rapid-Zuschauer machte sich auf den Weg Richtung Austria-Block. Die Polizei rückte an, weitere Leuchtraketen und Böller flogen, es kam zu einigen Auseinandersetzungen. Glücklicherweise beruhigte sich die Situation unter Polizeischutz in der Halbzeit wieder. Dazu eine Randbemerkung: Schon am Eingang fielen mir die laschen Kontrollen auf. Wir wurden überhaupt nicht kontrolliert, nicht mal pro forma. Zwar saßen wir in einem als neutral gekennzeichneten Block, doch das Happel-Stadion ist nicht gerade auf strikte Zuschauertrennung ausgelegt, sodass zumindest Rapid-Fans sich bis direkt zur Grenze des Austria-Blocks bewegen konnten – und dies mit Sturmhauben und blitzenden Augen dann auch getan haben. An dieser Stelle muss man dann aber auch erwähnen: Nach der Pause gab es keine Zwischenfälle mehr. In der zweiten Halbzeit beschränkte sich die Austria dann zunächst auf die Verwaltung ihres Vorsprungs. Rapid kam zwar zu Chancen, ließ diese aber teilweise fahrlässig liegen. Das Spiel schien gelaufen, als Daniel Royer nach 78 Minuten das 3:0 erzielte. Diesem denkbar schlechten Auftakt in die legendäre Rapid-Viertelstunde ließen die Grün-Weißen aber eine leidenschaftliche Endphase folgen, kamen durch Alar und Beric in den letzten Minuten noch zum 2:3-Anschluss. Doch auch fünf Minuten Nachspielzeit nützten nichts: Diese Partie ging insbesondere aufgrund einer hohen Effektivität an die Austria.

Fazit: Drei Tage Fußball in Österreich mit vielen verschiedenen Facetten. Angefangen mit dem Spiel der Retortenmannschaft Liefering über das Spiel der beiden Abstiegskämpfer zum Wiener Derby – mit den Höhen eines (fast) dramatischen Spielverlaufs und Abgründen von Zuschauern, die Vorurteile über das Publikum der beiden Klubs leider bestätigten.

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U19-EM: Starker Auftakt

Posted by Max on Juli 20, 2014
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Klar, Weltmeister sein ist schön. Aber damit sollte man sich nicht zufrieden geben, schließlich will man diese Glücksgefühle irgendwann wieder erleben. Und dann wird es auf unseren DFB-Nachwuchs ankommen. Ein guter Grund also, um einen etwas intensiveren Blick auf die gestern gestartete U19-Europameisterschaft zu werfen. Erstmals seit dem Titelgewinn 2008 hat sich die deutsche Auswahl wieder qualifizierte. Es war offenbar kein schlechtes Omen, dass die Nachwuchsspieler noch mit dem alten Drei-Sterne-Trikot auflaufen mussten: Gegen Bulgarien gab es ein ungefährdetes 3:0 zum Auftakt. Der Sieg gelang, obwohl wie bei fast jedem Jugendturnier oberhalb der U17 einige wichtige Spieler fehlten. Timo Werner (Stuttgart), Serge Gnabry (Arsenal), Niklas Süle (Hoffenheim) sowie Leon Goretzka und Max Meyer (beide Schalke) erhielten keine Freigabe für das Turnier, die Leverkusener Julian Brandt und Levin Öztunali (a.k.a. Seeler-Enkel) stoßen erst für das zweite Spiel zur Mannschaft.

Dennoch präsentierte sich das Team um Kapitän Niklas Stark (1. FC Nürnberg) als geschlossene, spielstarke Einheit. Zu behaupten, die Mannschaft wäre von Beginn an die spielbestimmende Mannschaft gewesen, ist sogar noch deutlich untertrieben. Denn es dauerte genau 54 Sekunden, bis der Bremer Davie Selke – bereits in der Qualifikation mit fünf Treffern – den bulgarischen Schlussmann das erste Mal überwinden konnte. Vorausgegangen war eine tolle Aktion vom rechten Flügelspieler Benjamin Trümner (TSG Hoffenheim), der seinen Gegenspieler überlaufen konnte und dann die zielgenaue Flanke auf Selke zu dessen einschlagender Volleyabnahme schlug. Immer wieder agierten die Deutschen über Trümners rechte Seite, die Bulgaren waren mit dessen Schnelligkeit hoffnungslos überfordert. Der zweite Treffer von Hertha-Verteidiger Anthony Syhre resultierte aus einem Eckball. Also auch der Nachwuchs kann Standardsituationen.

Auch nach dem Seitenwechsel enttäuschten die Bulgaren, die sich eigentlich über ihr starkes Kollektiv definieren wollten, auf der ganzen Linie. Das Tor vom Aalener Oliver Schnitzler war zu keiner Phase des Spiels ernsthaft gefährdet. Vielmehr kann man der DFB-Elf eine hohe Souveränität bescheinigen, wie sie die Partie über die Zeit brachte. Nach einer starken Kombination wurde nach 56 Minuten durch Davie Selke mit seinem zweiten Tor der Endstand hergestellt. So konnte Marcus Sorg später noch den Reservisten Einsatzzeiten geben, lediglich Ersatztorwart Gersbeck und der Leipziger Joshua Kimmich blieben auf der Bank.

Das junge DFB-Team hat gezeigt, dass es seine Pflichtaufgaben souverän erledigen kann. Mit Titelverteidiger Serbien, immerhin noch mit fünf Akteuren vom Sieg 2013 im Kader, kommt es am Dienstag zu einer Begegnung vom anderen Kaliber. Spannend wird sein, ob Sorg sein gut funktionierendes Team verändert und die Neuankömmlinge Brandt und Öztunali integriert – oder ob sich diese zunächst mit der Rolle als Ersatzspieler begnügen müssen.

Weltmeister!

Posted by Max on Juli 16, 2014
WM 2014 / No Comments

Etwas verspätet zwar, aber wer weiß, wann man mal wieder einen Beitrag mit dieser Überschrift verfassen kann. Wir sind Weltmeister! Also zumindest das DFB-Team. Der Rest von Deutschland darf sich aber so fühlen. Nach 24 Jahren erfüllten sich die Sehnsüchte der deutschen Fans nach dem vierten Titel, dem vierten Stern auf dem Trikot.

Es ist auch ein Titel von meiner Generation. Das klingt zunächst wie eine Platitüde, doch bei näherem Hinsehen stimmt das wohl so sehr, wie es nie wieder stimmen wird. Zum Start der Weltmeisterschaft am 12. Juni hatte der Kader von Joachim Löw ein Durchschnittsalter von 25,8 Jahren. Ich selbst war an diesem Tag – das habe ich soeben mit größter mathematischer Genauigkeit kompliziert errechnet – 25,4 Jahre alt. Die kleine Differenz kann man vernachlässigen, und schon liege ich mitten im Schnitt dieser weltmeisterlichen Spielergeneration. Während sich bei meinen ersten Turnieren 1998 und 2002 hauptsächlich Spieler im DFB-Kader tumelten, deren sportlichen Aufstieg ich nicht miterlebt habe, kann ich jetzt zu jedem der 23 Spieler eine Geschichte erzählen. An Miroslav Klose sein Länderspieldebüt gegen Albanien im März 2001 kann ich mich noch ziemlich gut erinnern, ebenso an sein siegbringendes Tor kurz vor dem Abpfiff. Es war wohl das letzte Turnier für den Mann, der mich fast mein komplettes “Fußballer-Leben” begleitet hat.

Noch viel mehr für die Phase des sportlichen Wiederaufstiegs nach den großen Enttäuschungen 2000 und 2004 stehen wohl Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger. Ihre kurzfristigen Berufungen in den EM-Kader 2004 belebten zwar die Mannschaft etwas, konnten aber das Ausscheiden in der Vorrunde nicht verhindern. Doch genau dieses frühe Aus stellte die entscheidenden Weichen im Deutschen Fußball: Sportdirektor beim DFB, Nationalmannschaftsmanager, vor allem aber Jürgen Klinsmann als “Türöffner” für moderne und fortschrittliche Methoden im Trainingsalltag, als Motivator für den brachliegenden Sport. Joachim Löw hat diesen vielleicht doch etwas eindimensionalen Klinsmann’schen Ansatz kontinuierlich weiterentwickelt, sich gegen viele Wiederstände gewehrt und jetzt den WM-Titel geholt. Zweifellos, das Jahr 2004 ist ein ganz entscheidendes in der deutschen Fußballgeschichte, Poldi, Schweini und Klose sind die Urväter dieser Evolution.

Wie nun weiter? Einige entscheidende Stützen der Mannschaft werden in den nächsten Jahren an ihre natürlichen Grenzen stoßen. Kapitän Philipp Lahm wird beim nächsten großen Turnier bereits 32 Jahre alt sein, Bastian Schweinsteiger 31. Das ist kein Grund, dass sie dann nicht mehr leistungsfähig sind. Denkt man aber noch zwei Jahre weiter, wird es bei ihnen und auch einigen anderen, heute jüngeren Spielern schon kritisch. Die nächsten zwei Jahre bis zur EM 2016 müssen auch einen langsamen, sanften Umbruch im DFB-Team einleiten. Nicht mit Wucht, aber neue Spieler müssen herangeführt werden. Die Alternativen bei der WM in Brasilien waren teilweise enttäuschend, das Fehlen von Reus, Bender, Gündogan aber macht Mut, dass die Aufgabe zu bewältigen sein wird.

Ob mit oder ohne Joachim Löw, wird sich zeigen. DFB-Präsident Niersbach wiederholte zuletzt gebetsmühlenartig seine Treueschwüre zu Löw. Das ist normal und alles andere wäre jetzt auch ungewöhnlich. Doch der Betroffene selbst denkt offenbar nach. Nicht vergessen ist die harsche, oft unberechtigte Kritik der letzten zwei Jahre. Seit 2006 ist Löw nun schon Bundestrainer, zwei Jahre länger noch im Team dabei. Es gibt auch gute Zeitpunkte zum Abtreten, jetzt wäre zweifellos so einer. Oder weitermachen und 2016 nach dem nächsten Titel greifen? Ein Abgang von Löw muss nicht zwangsläufig schlecht für die Erfolgsaussichten in zwei Jahren sein, mit ihm sind die Chancen auf die Europameisterschaft aber mindestens genauso gut.

Historischer Abend

Posted by Max on Juli 09, 2014
WM 2014 / No Comments

An diesen Abend wird man wohl noch lange zurückdenken. Ehrlich gesagt bin ich mit einem eher schlechten Gefühl in den Abend des WM-Halbfinals gegen Brasilien gestartet. Mit den Erfahrungen der letzten Turniere im Hinterkopf, als das deutsche Team jeweils kurz vor dem Ziel scheiterte. Und mit Blick auf eine Brasilianische Mannschaft, die im Turnierverlauf wohl weniger spielerisch komplett überzeugte, dafür aber durch eine enorme Leidenschaft angetrieben wurde.

Letztendlich war es aber genau diese Leidenschaft und der daraus resultierende Druck auf die Spieler, die zum Zusammenbrechen eines fragilen Systems führten. Meine persönliche Verunsicherung veränderte sich erstmals in den Momenten kurz vor dem Anpfiff. Nun interpretiere ich normalerweise eher weniger in Gesichter von Spielern, aber die deutschen Akteure strahlten hohe Zuversicht und Lockerheit aus. Während man den Brasilianern im Guten Anspannung, im Schlechten Angst unterstellen konnte – letztendlich stellte sich Zweiteres als richtige Deutung heraus. Wohl mit dem Wissen, dass ein deutsches Führungstor kaum zu kontern wäre, gingen die Brasilianer ins Spiel – und noch nie habe ich eine Mannschaft nach nur einem Gegentreffer so auseinanderfallen sehen, wie das Brasilien, das am Ende mit 1:7 unterlag.

Es wird heute schon genug Einzelkritiken und Bewertungen zu den deutschen Spielern geben, deshalb möchte ich mich wenige Stunden nach dem historischen Triumph über Brasilien auf ein paar eigene Bemerkungen zu einzelnen Spielern beschränken.

Fast keine Beschreibung mehr fällt mir ein zu Manuel Neuer. So bitter das klingt, aber das Verletzungspech von René Adler vor der WM 2010 war für den deutschen Fußball ein großer Glücksfall. Vielleicht hätte es Neuer auch ohne das Turnier in Südafrika bis heute zum Stammtorwart geschafft, seine Entwicklung hätte aber auf jeden Fall einen anderen Weg genommen. Natürlich kann man warnen, dass sich auch der Titan Oliver Kahn 2002 nach einem lupenreinen Turnier im Endspiel einen Fehler leistete – aber ohne Neuer wäre Deutschland wohl nicht mehr im Turnier. An die früher oft riskant wirkende Spielweise als Torwart-Libero hat man sich mittlerweile gewöhnt, auch weil Neuer mit zunehmendem Alter diese Rolle sicherer interpretiert. Nach der Pause hatte Brasilien gestern einige gute Chancen, es hätte schnell 2:5 oder 3:5 stehen können – Neuer parierte alle Bälle. Der kommende Welttorhüter.

Um ehrlich zu sein, war ich bisher nicht unbedingt ein Fan von Mats Hummels und seiner Spielweise. Mein favorisiertes Innenverteidigerduo für die Nationalmannschaft hieß eher Boateng/Badstuber. Doch da dies aufgrund von Badstubers Verletzung nicht möglich war, bekommt Hummels wie bereits bei der EM 2012 seine Chance. Und er überzeugt jetzt vollkommen mit seiner Leistung. Mit seiner glänzenden Übersicht, Kopfball- und Zweikampfstärke gibt er endlich auch Jerome Boateng die notwendige Stabilität. Wohl entscheidend für diese Entwicklung von Hummels war die Umstellung seiner Spielweise vom BVB-Modus zu den Löw’schen Vorgaben für die DFB-Auswahl. Weniger riskant im Spielaufbau – dass Hummels hier lernfähig war macht ihn zu dem Stern in der Innenverteidigung.

Berechtigte Zweifel am Fitnesszustand von Sami Khedira gab es vor der Weltmeisterschaft und gibt es wohl auch heute noch. Doch was ich schon im März nach dem Chile-Spiel geschrieben hatte: Khedira ist vielleicht der entscheidende Baustein im deutschen Spiel, mehr noch als Bastian Schweinsteiger. Oder gerade im Zusammenspiel mit ihm. Der Madrilene ist mit seinen Abfangqualitäten und Möglichkeiten im Umschaltspiel kaum ersetzbar und macht auch Schweinsteiger und Kroos erst zu den Stützen für das deutsche Team, welche sie jetzt sind.

Apropos Toni Kroos: Auch ihn sah ich in den letzten Jahren eher skeptisch. Ehrlich gesagt ging ich im vergangenen Sommer sogar davon aus, dass Kroos wohl der große Verlierer beim neuen FC Bayern unter Pep Guardiola sein würde. Zu langsam, zu statisch seine Spielweise. Letztendlich spielte Kroos aber schon im Verein eine starke Saison und setzt diese Form nun auch in Brasilien nahtlos weiter gewinnbringend ein. Es braucht wohl auch im schnellen deutschen Spiel einen ruhige Pol, der notfalls die Bälle mal ein paar Sekunden länger hält. Ein moderner Ballack sozusagen. Kroos’ hohe Ballsicherheit und Torgefahr waren bisher wichtige Elemente bei dieser Weltmeisterschaft.

Und dann gibt es da ja noch den großen Streitfall im Team, Mesut Özil. In der Vergangenheit habe ich ihn in der Nationalmannschaft weit weniger kritisch gesehen als viele andere Betrachter. Doch sein Halbjahr vor der Weltmeisterschaft, sowohl im Verein als auch bei den wenigen Auftritten im Nationaltrikot, ließen auch bei mir große Zweifel aufkommen, ob man es sich wirklich leisten könnte, Özil als Stammspieler durchzuschleppen. Vor dem Brasilien-Spiel las ich einen Kommentar von Pierre Littbarski, der sinngemäß meinte: Özil jetzt aus dem Team zu nehmen, würde die komplette Stabilität der Mannschaft gefährden. Littbarski hat wohl recht. Auch wenn bei dieser WM die Glanzpunkte von Özil fehlen, besonders negativ aus dem Raster gefallen ist er auch noch nicht. Und erledigt seine Aufgaben solide. Seine Rolle als Star der Mannschaft haben andere übernommen, und das hilft ihm wohl, schrittweise mehr Lockerheit zu gewinnen, damit hilft er dem Team mehr.

Die entscheidende Frage aber für das Finale am Sonntag ist: Was kann man aus diesem Spiel wirklich mitnehmen? Zumindest für diesen Halbfinal-Moment wirkt die Mannschaft gefestigter als bei ihrem Scheitern kurz vor Turnierende in den letzten Jahren. Gegen Argentinien oder den Nachbarn Niederlande wartet sicher ein ganz anderes Spiel. Deutschland wird nach diesem 7:1-Erfolg wohl als leichter Favorit ins Endspiel starten. Und es besteht eine realistische Chance, dass die an ihren Pleiten gewachsene Generation diesmal den entscheidenden Schritt machen kann.