Afrika-Cup: Elefanten-Rennen 23. Januar 2012
Posted by Moritz in : Fussball International , add a commentDer zweite Spieltag des Africa Cup of Nations sah den Eintritt der Elfenbeinküste in die aktiven Ballhandlungen. Sie sind in der Gruppe B mit Burkina Faso und Angola und dem Sudan in der Rolle des natürlichen Favoriten und taten sich doch gegen letztere in ihrem ersten Spiel schwer.
Ihr Auftritt war geprägt von einer angezogenen Handbremse. Ständig vermittelten sie das Gefühl eines “Wenn wir wöllten, könnten wir euch hier alle an die Wand spielen”. Die individuelle Überlegenheit der durch die Reihe athletischen Schränke war gegen die eher schlanken Sudanesen offensichtlich. Ständig gönnten sie sich die entscheidende Extrasekunde, die am Ende verhinderte, dass man sich den Gegner wirklich zurechtlegen konnte.
Im Gegenzug aber war der Sudan seinerseits fast ausschließlich auf Sicherheit bedacht und machte das Zentrum zu. Gelangen die Spieler des nördlichen Sudans an den Ball zeigten sie ein viel zu behäbiges und nervöses Aufbauspiel und ließen den Ivorern so auch Zeit ohne Runde wieder in Position zu gehen.
In einem so langatmig gestalteten Spiel war es dann ein guter Spielzug, der die Partie entscheiden sollte. Durch einen butterweichen, weiten Flankenwechsel zogen die Elefanten die gegnerische Defensivreihe in der zweiten Halbzeit sehr schön auseinander. Das lieferte Drogba letztendlich ausreichend Platz und Zeit, um sich davonzustehlen und die darauffolgende Flanke formvollendet zu seinem 51. Treffer im Nationaltrikot hinter dem Torhüter einschlagen zu lassen.
Den darauf kurzfristigen einsetzenden und ebenso schnell wieder verebbenden Sturmlauf der Sudaner überstanden sie mit ein wenig Glück aber unversehrt und vermieden eine ähnliche Niederlage wie sie der Senegal tags zuvor etwas überraschend gegen Sambia erlebte.
Insgesamt war das sicherlich kein Auftakt wie man ihn sich von einem Turnierfavoriten vorgestellt hat. Viel zu gebremst sogen sie erst einmal die Atmosphäre des Afrika-Pokals auf, statt selbst für einen ersten Glanzpunkt zu sorgen. Aus ihrer Perspektive lässt sich dem entgegen halten, dass sie immerhin ihr Eröffnungsspiel erneut ohne Gegentor und voller Punktausbeute hinter sich gebracht haben.
Der weiteren Fokus sollte aber darauf gelegt werden am eigenen Einsatz zu feilen, bevor nach der ersten Ernüchterung wieder die altbekannten Rufe der individuell starken Könner, die es zusammen zu nichts bringen, aufkommen. Auch wenn man dies in Worten schon widerlegt hat, dürfte ein kohärenteres Auftreten nach vorne, in dem das offensive Mittelfeld nicht fast völlig auf sich allein gestellt ist, die Voraussetzung dafür bilden auch Taten folgen zu lassen, so dass die Generation um Didier Drogba ihren Makel des noch fehlenden Titels in diesem Jahr wird korrigieren können. Aber noch ist ja nichts passiert und alles im Plan.
Afrika-Cup: Eröffnung 22. Januar 2012
Posted by Moritz in : Fussball International , add a commentGestern Abend war es nun endlich so weit. Nach einer auffällig unspektakulären Eröffnungsfeier, rollte der Ball in Bata. In der Gruppe A gaben sich zuerst Äquatorial-Guinea und Libyen die Ehre bevor später in der Nacht die beiden Gruppenfavoriten Sambia und Senegal auf Torejagd gingen.
Im ersten Spiel traf das nach Fifa-Rangliste schlechteste Team auf einen Kontrahenten, der sich nach einem Bürgerkrieg gerade überraschend für das Turnier qualifiziert hatte. Diesen daraus entstandenen niedrigen Erwartungen wurde das Spiel im Endeffekt auch gerecht. In einem Spiel ohne große Struktur beschränkte sich der Gastgeber nicht nur in der Anfangsphase im Großen und Ganzen darauf, den Ball lang und weit nach vorne zu dreschen, wo die Stürmer diesen dann in irgendeiner Art und Weise zu erlaufen suchten.
Gegen in der Defensive überhaupt nicht zupackende Libyer war dieser Ansatz auch noch so erfoglsversprechend, dass zunächst ein Pfostenschuss und ein Tor durch die Hosenträger des Keepers Abod fielen. Zum Glück für die Gäste wurde dieses wegen passiven Abseits aber nicht gegeben, was die Partie weiter offen hielt, aber der Spielkultur nicht wirklich weiter half.
Der Strategie, falls man sie so nennen möchte, der Äquatorialguineer hatten die Gäste nicht viel entgegenzusetzen und agierten mit zunehmender Spielzeit eher noch vorsichtiger, da sie die Stürmer sobald sie einen Ball erliefen nur schwer in den Griff bekamen. In der Summe korrelierte das Spielniveau mit der verstreichenden Zeit negativ.
Auch die zweite Halbzeit brachte kaum eine Neuerung. Lediglich zum Ende der Partie gab es den ein oder anderen Spielzug zu sehen, der als solcher zu bezeichnen war. Als man sich mit dem torlosen Unentschieden im Grunde schon abgefunden hatte, fanden sie doch noch eine Lücke in der libyschen Defensivreihe, die Balboa schließlich eiskalt zum goldenen Tor des Abends nutzte.
Wenn der Eröffnungsspieltag eines gezeigt hat, dann dass Libyen oder der Mitgastgeber aus Äquatorial-Guinea am Ende den Pokal wahrscheinlich nicht in die Höhe recken werden. Zu ungar und zufällig wirkten das Spiel, von Ansätzen mag man so recht gar nicht reden. Sowohl Sambia und Senegal präsentierten sich im darauffolgenden Spiel wesentlich besser und dürften die Viertelfinaltickets wohl unter sich ausmachen. Die Stimmung im Stadion war immerhin erstklassig. Doch spätestens wenn heute mit der Elfenbeinküstei einer der Favoriten in das Turnier startet, wird man die Spiele besser einordnen können.
Afrika-Cup: Der Auftakt 15. Januar 2012
Posted by Moritz in : Fussball International , add a commentEs ist wieder Jahresanfang und es steht wieder der Africa Cup of Nations vor der Tür. Zum Leidwesen einiger europäischer Vereinsmanager werden die Spiele ab nächstem Wochenende ausgetragen. Zum letzten Mal in einem gerade Jahr werden die besten Mannschaften Afrikas auf den Plätzen in Gabun und Äquatorial-Guinea um die kontinentale Krone kämpfen.
Die besten Teams? Nein, bereits in der Qualifikation verhagelte es alteingesessenen Größen die Stimmung. Mit Ägypten verpasste erstmals der Titelverteidiger seinen Platz in den vier Gruppen. So steht schon jetzt fest, dass es nach sechs Jahren Vorherrschaft der Pharaonen einen neuen Titelträger geben wird. Die Gründe für ihr Scheitern sind vielschichtig und reichen vom notwendigen personellen Umbruch in der Mannschaft bis sicher nicht zuletzt zum realen politischen am Nil.
Kamerun und Nigeria stehen momentan wohl stellvertretend für alle Vorurteile, die man dem afrikanischen Fußball entgegen bringen kann. Die unzähmbaren Löwen machten ihrem Namen wieder einmal alle Ehre und präsentierten sich in der Qualifikation als ein Haufen inkompatibler Egos, die dem Trainer alle Nerven raubte. Allen voran marschierte dabei der eigentlich herausragende und in letzter Zeit häufiger aufgefallene Samuel Eto’o, der inzwischen vom Verband für 15 Spiele gesperrt wurde.
Die nigerianischen Super Eagles scheiterten wieder einmal an sich selbst und den Zuständen im Verband, die in ihrem Höhepunkt in der kurzzeitigen Abmeldung des Teams von allen Bewerben durch Präsident Jonathan fanden. Ein Warnschuss, der seine kurzfristige Wirkung offenbar verfehlte. Im Herzschlagfinale gegen den letztendlichen Gruppensieger Guinea hätte ein Sieg gereicht doch das entscheidende Tor zum Unentschieden fiel kurz vor Schluss und besiegelte die Zuschauerrolle.
Doch was wäre Afrika, wenn es vorhersehbar wäre. Gemeinsam mit den ebenfalls gescheiterten Algeriern fehlen somit drei der vier Teams, die vor zwei Jahren in Angola die ersten Plätze belegten. Dieses Loch schafft den Platz in den andere Teams nun stoßen können.
Für die Außenseiter dürften die Chancen somit so gut wie lange nicht mehr stehen, ihren Stern aufgehen zu sehen. So zum Beispiel Niger, das einer von drei Neulingen im Turnier ist und sich sensationell für den Africa Cup qualifizierte. Die Mannschaft ist gepflastert mit lauter No-Bodys und konnte doch in der Qualifikation ihre Gegner schocken. In einer schweren und extrem ausgeglichenen Gruppe mit Ägypten, Südafrika und Sierra Leone wurde die nigrische Mannschaft Gruppenerster. Unvergessen dabei der Protest der Südafrikaner, die es zunächst nicht glauben wollten. Realistisch betrachtet haben sie wohl keine Chance die Gruppenphase zu überstehen - eine Situation, die sie schon aus der Qualifikation kennen.
Auch oder vor allem den Gastgebern kann man ebenso gewisse Außenseiterchancen zurechnen. Besonders Gabun rückt dabei ins Blickfeld. Trainiert vom Frankreichexperten Gernot Rohr, der in Afrika mal was neues machen wollte, haben sie jetzt zwar schon seit einiger Zeit keine Pflichtspiele mehr absolviert, was Rohr schon dazu veranlasste, die fehlende Konzentration zu bemängeln. Doch der Heimvorteil ist auch in Afrika nicht zu vernachlässigen und könnte ihnen zumindest in ihrer ausgeglichenen Gruppe C über die erste Runde hinaus helfen.
Ein realistischerer Geheimtipp könnten hingegen vielmehr das Team dem Senegal sein. Ihre goldenen Zeiten, in denen sie für Furore in der Welt sorgten, haben sie zwar schon hinter sich gelassen. Aber der Senegal kann im Moment mit Cissé und Ba zwei Stürmer auf den Platz bringen, die sich in einer Topform befinden. Wenn es ihnen gelingt ihre Mannschaft mitzureißen, haben sie durchaus Chancen weiter als bloß ins Viertelfinale vorzustoßen.
Die Topfavoriten auf den Turniersieg sind aber nichtsdestotrotz die Elfenbeinküste und Ghana. Die Elefanten könnten in diesem Jahr ihre große Chance wittern mit ihrer goldenen Generation nach zwanzig Jahren endlich wieder einen Titel zu erringen. Doch in den letzten Jahren reichte es für sie es trotz ihrer erstklassigen Spieler, ihrer Erfahrung nicht noch einmal zu einem ganz großen Wurf. Doch ihre Bezwinger der letzten Turniere, Ägypten und Algerien, sind nicht mit von der Partie und nach der punktverlustlosen Qualifikation in einer zugegeben eher schwachen Gruppe scheinen sie in einer guten Form zu sein.
Einen Tick stärker dürften aber noch die athletischen Ghanaer einzuschätzen sein. Den Titeln im Jugendbereich folgte bei der WM in Südafrika vor anderthalb Jahren eine eindrucksvolle Leistung, an die sich auch die deutsche Mannschaft noch erinnern wird. Erst mit dem dramatischen Ausscheiden gegen Uruguay im Elfmeterschießen des Viertelfinales war das Turnier für die Black Stars beendet. Das Team konnte auch in der anspruchsvollen Qualifikation überzeugen und schickt auch ohne Kevin-Prince Boateng und dem Fragezeichen hinter Asamoah Gyan wieder eine erfolgversprechende Spielermischung ins Turnier, die auch mit diesem Selbstverständnis auftritt.
Der Auftakt zum Turnier an dieser Stelle ist somit gemacht. Der Fußballerische folgt in knapp einer Woche am Samstagabend mit der Partie Äquatorialguineas gegen Libyen. Vom Turnier selbst wird an dieser Stelle schon fast traditionell weiter regelmäßig berichtet werden. Es ist also angerichtet - Freuen wir uns auf ein erfrischendes Turnier
Miau 12. Januar 2012
Posted by Max in : Dritte Halbzeit , add a commentNur mal so für zwischendurch. Diese Karte flatterte heute in den Postkasten.

Fussball ist richtig geil 6. Januar 2012
Posted by Max in : Medien, Nordostfussball , 6 commentsOder sollte ich das Kind besser beim Namen nennen? Also: Karin im Live-Fußballfieber. So heißt das Stück, welches der MDR gestern in seiner Sendung “Hier ab Vier” brachte. Karin ist eine rüstige Rentnerin, die kurz vor der Winterpause bei der Partie zwischen RB Leipzig und dem SV Meppen zum ersten Mal in ihrem Leben ein Fussballspiel besuchte. Der Link zum Video auf der MDR-Homepage:
Man könnte sagen: Ein typischer MDR-Beitrag. Wer erinnert sich nicht noch an die legendäre sprechende Werkzeugbank aus der gleichen Sendung?
Aber ob sich RB Leipzig damit einen Gefallen tut, mit solchen - ich muss es hier einfach sagen - lächerlichen Beiträgen weiter um Akzeptanz für das Projekt in Leipzig zu werben? Einen Brüller hat man jedenfalls gelandet.
Und das Fazit von Karin? “Fußball ist richtig geil.”

