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Meister der Defensive 23. April 2014

Posted by Max in : Champions League , add a comment

Was für ein Spiel. Keine Tore, aber trotzdem hinreichend intensiv und offenbar aufregend genug, um danach außerordentlich viel Gesprächsstoff zu bieten. Diese Partie wird wohl noch lange in Erinnerung bleiben – und damit präsenter als so manches hochklassiges Spiel in den vorherigen Runden der Champions League. Das torlose Remis zwischen Atletico und Chelsea war vorhersehbar, auch der Spielverlauf durchaus. Langweilig war es trotzdem nicht.

Noch nicht ganz zwei Jahre ist es her, das legendäre “Finale dahoam”. Es sollte der Triumphzug des FC Bayern in der eigenen Arena werden. Letztendlich verhinderte eine gnadenlos auf Defensive getrimmte Mannschaft von der Temse diesen Titelgewinn und legte damit wohl zeitgleich sogar den Grundstein für die Bayern-Erfolge der letzten zwei Spielzeiten. Warum ich aber eigentlich auf dieses Finale im Mai 2012 zurückkomme: Die Reaktionen einer breiten Öffentlichkeit und vieler Medien sind vergleichbar zu dem, was wir heute, am Tag nach diesem 0:0 in Madrid, wieder erleben. Wie damals auch stören mich diese Chelsea-kritischen Äußerungen. Weniger, weil es gegen Chelsea geht. Sondern mehr, weil dabei immer ausgeblendet wird, warum Chelsea mit dieser Spielweise agiert. Weil vergessen wird, dass es mehr gibt als Hochgeschwindigkeitsfußball und Tiki-Taka – Spielformen, für die nur ganz wenige Mannschaften der Welt die Voraussetzungen haben. Wer in diesen Kreis vorstoßen möchte, muss andere Wege finden. Und das hat Chelsea, genauso wie Atletico auch.

Es lohnt sich in diesem Zusammenhang, auf meinen damaligen Beitrag zum Finale hinzuweisen. Verblüffend ähnlich lesen sich die Worte wie im vorherigen Abschnitt. Fußball ist glücklicherweise ein Sport, bei dem am Ende das Ergebnis zählt, ganz ohne B-Note. Auch im Jahr 2014 zählt noch: Chelsea spielt so, wie es der Kader hergibt. Oder wie es Mourinho für richtig hält. Doch auch hier heiligt der Zweck die Mittel – Chelsea steht im Halbfinale, mehr noch: José Mourinho schaffte es nun mit Mannschaften dieser oder ähnlicher Spielweise zum fünften Mal nacheinander in das Halbfinale der Königsklasse. Vor nicht zu langer Zeit hatte ich hier über mein Desinteresse am Achtelfinale des Wettbewerbs geschrieben. Jetzt nimmt die Sache endlich wieder Fahrt auf, und das Halbfinale ist insbesondere auch deshalb so interessant, weil hier Mannschaft völlig unterschiedlicher Prägung aufeinandertreffen. Die dominanten Bayern, ein spielstarkes Real, ein leidenschaftliches Atletico, ein defensivstarkes Real. Diese Vielseitigkeit macht den Europapokal für mich interessant.

Es wird ein anderes Spiel, wenn heute Abend Real und Bayern aufeinandertreffen. Das Defensivspektakel habe ich aber mit mindestens ebenso großem Interesse verfolgt – vielleicht bleibt es am Ende sogar mehr in Erinnerung als die andere Begegnung. Ja, ich kann mich tatsächlich auch an einem Spiel ohne Torchancen ergötzen. Nicht immer, aber wenn die Intensität, die Spannung, der Einsatz passt – warum nicht? Chelsea zog seinen defensiven Stil konsequent durch, und Atletico merkte man an, wie schwer sie sich damit taten. Denn eigentlich ist ja auch Atletico ein Team, welches aus einer kompakten Abwehr heraus agiert, gekonnt Nadelstiche setzt. Jetzt waren sie gezwungen, gegen einen noch defensiveren Gegner selbst zu agieren – sie scheiterten daran. Stark zu sehen, wie Chelsea trotz der Verletzungen von Cech und Terry nicht aus der Spur kam.

Letzte Notiz zu dieser Partie: Gestern schlieb ein schlauer User auf Twitter sinngemäß, dass ein Bundesliga-Aufsteiger, der mit gleicher Spielweise eine starke Saison spielt, wohl außerordentlich dafür gelobt würde. Ein wahrer Punkt. Nun kann man Chelsea nicht mit einem Aufsteiger vergleichen, doch der Gedanke dahinter bleibt der Gleiche: Das Ergebnis zählt.

Ein starkes Stück 20. April 2014

Posted by Max in : Nordostfussball , 1 comment so far

1:0 gewonnen. Eine überragende Kulisse von fast 40.000 Zuschauern – eine Zahl, von der mancher Bundesligist nur träumen kann. Es war ein gelungener Fußballnachmittag am Ostersamstag in der Leipziger WM-Arena. Die Rasenballer zeigten einmal mehr ihre Konzentrationsfähigkeit auf wichtige Spiele, besiegten die “fidelen Serientäter” (Guido Schäfer, LVZ) aus Darmstadt und gingen damit einen großen Schritt Richtung direktem Aufstieg. Letztendlich war es aber noch ein Nachweis mehr, dass das Leipziger Fußball-Kunstprodukt stimmungstechnisch mehr sein kann als seine Stiefgeschwister aus Salzburg oder Hoffenheim.

Die ersten Minuten im Spiel gehörten zunächst den Gästen aus Darmstadt. Offenbar schien die überwältigende Resonanz der Zuschauer mehr die RB-Spieler zu beeindrucken. Mehr Spielanteile für die Lilien, bis zur zehnten Minute kamen die Rot-Weißen fast überhaupt nicht aus der eigenen Hälfte heraus. Doch kaum fanden die Leipziger besser ins Spiel, erzielte Anthony Jung mit einem sehr sehenswerten Fernschuss schon das 1:0 – letztendlich der spielentscheidende Treffer. Noch wichtiger für den Spielausgang war aber die Tatsache, wie die RB-Spieler die restliche Partie agierten: Deutlich wacher als im letzten Spitzenspiel im März gegen Heidenheim, schneller und vor allem erfolgreicher in den Zweikämpfen. So gab es in fast keiner Phase der Partie für Darmstadt eine wirkliche Torchance, vieles spielte sich im engen Bereich der erweiterten Mittellinie ab. Gab es tatsächlich mal einen sehenswerten Vorstoß der Gäste, zahlte sich die Rückkehr von Fabio Coltorti ins Tor aus. Der Schweizer Ex-Nationaltorwart überzeugte mit seiner Präsenz und einer starken Parade bei der besten Darmstädter Torchance. Coltorti könnte für die letzten Spiele der Saison der entscheidende Baustein sein, Benjamin Bellot konnte ihn zuvor nicht gleichwertig ersetzen.

Völlig verdient war aber auch dieser Sieg von RB Leipzig nicht. Obwohl der SV Darmstadt nur wenige Chancen hatte, diese waren hochkarätig. Letztendlich versagte ihnen Bundesliga-Schiedsrichter Torsten Kinhöfer auch noch einen Handelfmeter. Die Roten Bullen hätten sich zu diesem Zeitpunkt nicht beschweren dürfen über den Ausgleich, weil sie zuvor mehrfach gute (Konter-)Möglichkeiten ungenutzt ließen. Insbesondere Yussuf Poulsen, der zwar ein enormes Laufpensum ableistete, aber im Abschluss immer wieder unglücklich agierte. Kein gutes Auge für den Nebenmann, mehrere gute Situationen leichtfertig vergeben. Das galt übrigens auch für Joshua Kimmich oder Dominik Kaiser. Dem RB-Spiel fehlte die letzte Konsequenz – so dass die drei wichtigen Punkte am Ende zwar in Ordnung gehen, aber es hätte nicht bis zur letzten Minute spannend bleiben müssen.

Damit hat das Team von Alexander Zorniger nun also seinen Vorsprung auf Darmstadt vergrößert – vier Punkte sind es jetzt. Wichtiger aber, dass man den direkten Aufstieg weiterhin selbst in der Hand hat. Zwei Siege noch aus den letzten drei Spielen (Rostock/A, Saarbrücken/H, Stuttgart/A) und der Durchmarsch in die Zweite Bundesliga ist geschafft.

39.147 Zuschauer waren dabei – neuer Vereinsrekord und zweithöchster Wert in der Dritten Liga aller Zeiten. Diese Auslastung von mehr als 88% der Stadionkapazität markiert also den neuen Höhepunkt im Streben des Brausevereins nach ungeteilter Aufmerksamkeit der Leipziger. Auch die Darmstädter haben mit einem prall gefüllten Gästeblock und lautstarkem Support maßgeblich dazu beigetragen. Vor der Partie wurde von einigen RB-Fangruppierungen ein Stimmungsboykott angekündigt, weil der Verein wohl recht kurzfristig eine lange vorbereitete Choreografie verboten hatte. Man merkte nichts davon (Fand er überhaupt statt?). Von der ersten Minute gab es eine sehr beeindruckende Unterstützung für die Mannschaft – weit entfernt von den leeren Tribünen und versprengten Fangruppen, die es zuletzt beim Meistertitel des Salzburger Bullenpendants zu sehen gab. Leipzig möchte Bundesligafußball. 25 Jahre nach dem Mauerfall hat es wohl den etwas unangenehmen Weg über eine Konzernmannschaft gebraucht, um endlich dauerhaft Profifußball in der Messestadt zu etablieren. Jetzt scheint es gelungen – zur Freude der Zuschauer.

Wahrnehmungsverzerrung 9. April 2014

Posted by Max in : Bundesliga , add a comment

Ihr wollt vier Tage nach der ersten Saisonniederlage des FC Bayern noch einen weiteren Beitrag zur Wettbewerbsverzerrung? Bitte schön, hier kommt er.

Viel schlimmer als die Totalrotation von Pep Guardiola finde ich dieser Tage die künstliche Aufregung darüber. Ich habe mich sofort an eine Geschichte erinnert gefühlt, über die ich vor mehr als drei Jahren geschrieben habe. Damals wurde in England der Blackpool FC bestraft, weil er angeblich nur eine B-Mannschaft auf das Feld brachte. Dieser Bestrafung zugrunde liegt eine absolut schwachsinnige Regel, die ausschließlich subjektiv auslegbar ist. So weit ist die Bundesliga glücklicherweise nicht, doch die öffentliche Empörung über drei Amateure in der Startaufstellung war so groß, dass mir noch heute der Schädel brummt.

Der Trainer bestimmt die Aufstellung. Soweit der unerschütterliche Standard im Fußball bei nahezu allen zivilisierten Vereinen (von durchgeknallten Mäzenen wie in der Schweiz mal abgesehen). Wer, wenn nicht der FC Bayern hat sich in dieser überragenden Saison das Recht erarbeitet, auch mal einen Großteil der Stammspieler zu schonen? Ist eigentlich schon mal jemand auf die Idee gekommen Nürnberg, Freiburg oder Hoffenheim zu kritisieren, die seit Jahren regelmäßig Amateurspieler (wenn auch aus ganz anderen Motiven) in die Startformation schmeißen?

Die ganze Aufregung geht mir mächtig gegen Strich. Weil die Bayern-Kritiker keinen Deut authentisch sind – dieselben Leute haben vor Wochen noch über die fehlende Ausgeglichenheit der Liga gejammert, als Bayern mit voller Kapelle spielte. Es ist ja keineswegs so, dass die stark veränderte Bayern-Formation mit dem Ziel ins Spiel ging, eine Niederlage einzustecken. Das wäre natürlich Wettbewerbsverzerrung. Wer hat dafür auch nur einen stichhaltigen Nachweis? So bleibt nur eine starke Wahrnehmungsverzerrung.

Dann gibt es noch das Argument, dass die Fans ja viel Geld für eine Eintrittskarte sehen und sie somit betrogen würden. Doch man bezahlt ja schließlich dafür eine Mannschaft vom Verein XY zu sehen – und nicht um Spieler Müller oder Lahm zu sehen. Oder? Ob sie in Augsburg wirklich gern gegen das volle Bayernensemble verloren hätten, nur um für viel Geld alle Stars zu sehen? Oder nimmt man nicht doch lieber einen 1:0-Sieg mit in die Puppenkiste?

Ach, würde sich doch jeder Horst nur auf seine Arbeit konzentrieren. Man müsste sich nicht so oft aufregen. Danke fürs Zuhören!

Ein kleines bisschen Zweite Liga 28. März 2014

Posted by Max in : Nordostfussball , 1 comment so far

Es ist schon eine bemerkenswerte Saison von RB Leipzig. Obwohl die Roten Bullen natürlich mit ungeheuren finanziellen Möglichkeiten gesegnet sind, waren sie für mich vor der Saison nicht zwingend ein Favorit auf den Aufstieg. Schließlich geisterte der Verein vorher zwei Jahre länger als eigentlich notwendig in der Regionalliga umher, ehe im vergangenen Frühjahr der lange ersehnte Aufstieg gelang. Und jetzt gleich der Durchmarsch in die Zweite Bundesliga? Möglich scheint es, sieben Spieltage vor dem Ende der Saison hat sich RB Leipzig gemeinsam mit Heidenheim und Darmstadt vom Rest der Konkurrenz abgesetzt. Am Mittwoch beim 1:1 im Spitzenspiel gegen Heidenheim war ich nun – im Nachgang zu meiner eigenen Verwunderung – erstmals in dieser Saison bei einem Ligaheimspiel, nachdem es im zweiten Halbjahr 2013 nur zu zwei Pokalspielen ging.

Was ist also dran am vermeintlichen Aufstiegszauber der Bullen? Und ist Heidenheim wirklich so stark? Eine eindeutige Antwort ist nach den 90 Minuten natürlich nur begrenzt möglich, sie haben mir aber eines gezeigt: Die Stärke dieser beiden Teams liegt insbesondere in einer klaren Spielstruktur und guter taktischer Einstellung. Weder Heidenheim noch die Leipziger zelebrierten vor mehr als 25.000 Zuschauern in der Arena sehenswerten Tempofußball, und kein Team machte auf mich den Eindruck, über weite Strecken der Saison einen wesentlich anderen Spielstil zu pflegen. Stattdessen war es lange ein Belauern auf gutem Niveau. Für eine bessere Einschätzung gab es dann doch einige Stockfehler zu viel im Spielaufbau.

Zunächst kamen die Leipziger besser in die Partie, doch relativ schnell wurde klar, warum Heidenheim oben steht: Da spielte eine sehr homogene, gut aufeinander abgestimmte Mannschaft, nach der oft zitierten Handschrift von Trainer Frank Schmidt. Ballsicher und in einigen, leider etwas zu wenigen Aktionen auch mit gutem Zug Richtung Tor. Doch die Württemberger fanden keine Mittel gegen die solide RB-Abwehr. Auf der anderen Seite konnten aber auch die Spieler des Heimteams mit zunehmender Spieldauer keine Ideen entwickeln, wie man an der Heidenheimer Abwehrreihe vorbeikommen könnte. So war es fast schon zwangsläufig, dass der etwas glückliche Führungstreffer vor der Pause in erster Linie auf eine gute Einzelaktion von Fandrich und etwas Glück zurückzuführen war. Nach dem Seitenwechsel kamen die Heidenheimer nach 72 Minuten zum verdienten Ausgleich. Bei diesem Gegentor sah auch RB-Torwart Benjamin Bellot nicht so gut aus, er rettete aber auch mit guten Paraden den Punkt.

Insgesamt war es ein Unentschieden auf gutem Niveau. Ich komme aber insgesamt doch zu einer etwas anderen Einschätzung als der Rotebrauseblogger. Ohne Vorwissen hätte man nicht unbedingt davon ausgehen müssen, dass hier zwei potentielle Aufsteiger gegeneinander spielten. Auf der anderen Seite könnten beide Teams mit den Leistungen vom Mittwoch aber auch gut im unteren Mittelfeld der Zweiten Liga mithalten. Die Heidenheimer hinterließen dabei den etwas reiferen Eindruck – was letztendlich ja doch nur eine Bestätigung der Realität ist.

Als Gelegenheitszuschauer in der Arena maße ich mir abschließend in fast jedem Stadionbericht auch ein Urteil zur Stimmung an. Schließlich ist es doch ein sehr interessanter Aspekt, wie sich die Fußballkultur bei einem Verein mit der Geschichte wie RB Leipzig entwickelt. Kurz gesagt: Eine dem Spiel angemessen Stimmung. Nicht extrem euphorisch wie im letzten Frühjahr beim Sieg im Sachsenpokal oder Relegationsspiel gegen Lotte, aber auch nicht zu unterkühlt. Da entwickelt sich was, auf angenehme Weise. Und das gefällt – hoffentlich, soviel persönlicher Kommentar sei noch erlaubt, dann auch in der Zweiten Liga.

Über eine interessante Bundesliga 23. März 2014

Posted by Max in : Bundesliga , add a comment

Es ist noch nicht lange her, da habe ich hier über mein aktuelles Desinteresse am Achtelfinale der Champions League geschrieben. Endreas Müller hatte dann fast zeitgleich in seinem Blog noch die passenden Zahlen parat, welche eine klare Veränderung der Kräfteverhältnisse erkennen lassen. Aber was ist eigentlich mit der Bundesliga? Hat man im letzten Jahr den Durchmarsch des FC Bayern zum Titel noch als Reaktion auf die zwei Dortmunder Meisterschaften zuvor abtun können, nimmt die Dominanz der Münchner in dieser Spielzeit schon fast beängstigende Formen an. Weil sich zumindest im bisherigen Verlauf der Champions League auch noch kein ernsthafter Konkurrent für den FCB gefunden hat, liest man immer wieder gleich die Floskel, dass “die Bayern auf Jahre dominieren” werden. International –  und National sowieso.

Doch zurück zur Bundesliga. Mittlerweile scheint es “tres chic” zu sein und sowieso zum guten Ton zu gehören, die Langeweile der Bundesliga zumindest an der Spitze hervorzuheben, zu kritisieren oder in anderer Weise wenig vorteilhaft darzustellen. Auch ich habe in meinem Umfeld einen solchen Kandidaten, der jeden Montag über die vermeintliche Langeweile der Liga jammert – wo ich dann schon die Frage stelle: Warum schaust du dir dieses Elend überhaupt noch an? Der Kollege hat darauf leider keine brauchbare, sinnvoll begründbare Antwort. Er ist Hannover-Fan, das rechtfertigt wohl einiges. Natürlich ist die Dominanz des FC Bayern in dieser Saison besonders erdrückend, wenn selbst ein Team von (vermuteter) internationaler Klasse wie der VfL Wolfsburg über 60 Minuten eine Spitzenleistung zeigt und dann doch mit 1:6 vom Platz geschossen wird.

Ein spannender Titelkampf ist durch nichts zu ersetzen. Letztendlich wollen doch alle nur Meister werden. Wen interessiert denn, wer in die Europa League kommt? All diese Argumente werden gerne angeführt. Klar, ein spannender Meisterschaftskampf bis zur letzten Minute wie 2001 oder 2007 ist das Optimum und würde einer jeden Saison den passenden Glanz verleihen. Aber die Bundesliga ausschließlich darauf  zu beschränken, ist für mich persönlich keine vertretbare Philosophie – ähnlich wie ich dem puren Medaillendenken bei Olympia nicht besonders viel abgewinnen kann. Während es in der Champions League für mich tatsächlich darum geht, die Besten Europas zu sehen, ist die Bundesliga seit jeher ein Konglomerat von Triumphen und Tragödien, spannenden und kuriosen Geschichten, positiven und negativen Entwicklungen. Sieht man im einen Wettbewerb die Teams bloß in größeren Abständen spielen, bedeutet die Bundesliga das Tagesgeschäft. So platt wie es sich anhört: Bundesliga ist auch das Tagesgeschäft für mich als Fußballverrückten. Die vielen verschiedenen Strömungen der 18 Vereine während einer Spielzeit aufzunehmen, das ist für mich das Nonplusultra.

Ganz im Gegenteil zur oben skizzierten Auffassung zur Bundesliga bin ich der Meinung, dass wir 2013/2014 eine der interessantesten und abwechslungsreichsten Spielzeiten seit längerer Zeit erleben. Das begann mit der Frage, wie sich der in Barcelona sehr erfolgreiche Pep Guardiola wohl in der Bundesliga zurechtfinden würde. Die Antwort darauf kennen wir mittlerweile. Und ja, auch die Beantwortung der Frage, welcher Verein wohl als erster über volle 90 Minuten die Bayern ernsthaft herausfordern könnte und wie dies aussehen würde, bleibt für mich interessant – auch mit der Gefahr, zumindest bis Mai darauf wohl keine Antwort mehr zu bekommen. Aber darauf muss man sich nicht fokussieren, es ist wohl für eine gesunde Wahrnehmung der Liga sogar besser, sich davon zu lösen. Es gibt noch 17 andere Klubs in dieser Liga. Und für diese Vereine gilt derzeit der eigentlich ziemlich alberne Satz “Jeder kann jeden schlagen” (rein faktisch ist das nämlich immer möglich, das Spiel beginnt bei 0:0 mit dem Anpfiff) wohl mehr als jemals zuvor. Die gefestigten Grundmauern der Bundesliga aus den 1990er und 2000er Jahren wackeln bedenklich, weil seriös wirtschaftende und vor allem mit einer langfristigen Strategie ausgestatteten Klubs wie Mainz, Augsburg oder Mönchengladbach den Etablierten aus Bremen, Hamburg und Stuttgart langsam den Rang ablaufen. Wieso hat Borussia Dortmund die Leichtigkeit der letzten Jahre verloren? Jens Keller war schon zweimal fast weg auf Schalke und steht jetzt kurz vor der direkten Qualifikation für die Champions League. Nicht zuletzt der spannende Abstiegskampf mit dem scheinbar hilf- und planlosen Handeln der Verantwortlichen bei meinem HSV. Ich könnte diese Auflistung noch viel länger fassen mit vielen Beispielen aus dieser oder vorherigen Saisons, warum die Bundesliga für mich weiterhin eine hochinteressante Liga ist.

Vielleicht ist es aber auch eine Einstellungssache. “Früher war alles besser” ist wohl jene Mentalität, die auch den genannten Bekannten umtreibt. Ich habe altersbedingt die Zeiten der 70er-, 80er, ja sogar weite Teile der 90er-Jahre nicht erlebt. Die Bundesliga im Jahr 2014 hat für mich nichts von ihrem Charme und Spannung eingebüßt, seit ich 1998 die ersten Spiele verfolgte. Möglicherweise bin ich aber auch einfach etwas zu sehr Idealist, der zunächst jedes Fußballspiel separat noch als echtes Highlight betrachtet. Ich erfreue mich auch an einem Kantersieg der Bayern, wenn er denn mit einer solchen Brillanz vorgetragen wird wie über weite Phasen dieser Saison. Aber auch ein Spiel im Abstiegskampf oder ein “normales” Aufeinandertreffen zweier Mittelfeldteams haben weiterhin ihren Reiz. Und diese Einzelstücke einer Saison dann gesamthaft zu betrachten, inklusive dem ganzen Getümmel rundherum, was gibt es schöneres?