Das Ende von Zorniger

Posted by Max on Februar 13, 2015
Bundesliga, Nordostfussball / No Comments

Das Ende für den Trainer bei RB Leipzig kam dann doch etwas überraschend und abrupt, aber es erscheint konsequent. Schließlich ist Alexander Zorniger nicht der erste Trainer, der bei einem Verein aufgrund Perspektivlosigkeit hinwirft. Das mag auf den ersten Blick zwar verwundern, denn schließlich ist erst ein Pflichtspiel im Jahr 2015 absolviert und der Abstand zum Aufstiegsrelegationsplatz beträgt lediglich fünf Punkte. Doch der Verein wählte diese Woche als Zeitpunkt, um den Trainer mitzuteilen, dass er – unabhängig vom Ausgang der Saison – nicht über den Sommer hinaus beschäftigt wird. Als Lückenbüßer und Übergangstrainer ohne Perspektive wollte Zorniger nicht herhalten, folgerichtig konsequent sein freiwilliger Abgang.

Tino Vogel, Tomas Oral, Peter Pacult und Alexander Zorniger – ausgerechnet der erfolgreichste Übungsleiter der jungen Rasenball-Geschichte ist nun der erste Coach, der innerhalb einer Saison den Verein verlässt. So man den Ankündigungen der Verantwortlichen glauben darf, wird Nachwuchscoach Achim Beierlorzer die Profis bis zum Saisonende trainieren. Ob es dabei wirklich bleibt, zweifle ich aber im Moment noch an, denn wenige Tage vor dem plötzlichen Zorniger-Ende wollte Sportdirektor Ralf Rangnick auch keinen Zweifel an seinem Trainer lassen – nur um ihn kurz darauf sein Ende in Leipzig mitzuteilen. So bekamen die Gerüchte über Thomas Tuchel, der als Name schon lange durch die Messestadt geistert und sich kürzlich ein Haus in der direkten Umgebung gekauft haben soll, schnell neuen Nährboden. Heute wurde das Interesse an Tuchel dann öffentlich von Rangnick bestätigt. Seine Verpflichtung als neuer Trainer scheint nur noch eine Frage der Zeit: Schon im Verlauf der Rückrunde? Oder doch mit einem klaren Schnitt im Sommer?

Das Ende der Ära Zorniger ruft nun natürlich wieder Kritiker auf den Plan: Sehr her, alles nur wirtschaftliches Kalkül. Der Erfolgstrainer der letzten Jahre, einst als eine der ersten Amtshandlungen von Rangnick verpflichtet, schien nicht mehr das volle Vertrauen der Verantwortlichen zu genießen. Zweifellos stagnierte die Mannschaft in den letzten Wochen etwas, allerdings nach einem für einen Aufsteiger sehr beachtlichen Saisonstart. Dass es trotz zahlreicher Neuzugänge in der Winterpause am vergangenen Freitag eine derbe Pleite gab, die insbesondere auf dem spielerischen Sektor erschreckende Defizite offenbarte, dürfte den Verantwortlichen wohl die letzte Bestätigung gegeben haben. In der Tat gibt es auch in meinem Umfeld viele Stimmen, die mit dem eigenwilligen Charakter Alexander Zorniger nicht zurechtkamen und ihm die Tauglichkeit für höhere Aufgaben absprachen. Irgendwie schien es unausgesprochen schon lange besiegelt, dass Zorniger nicht über den Sommer hinaus in Leipzig tätig sein wird.

Über den Zeitpunkt der Bekanntgabe, respektive über den Zeitpunkt der Kommunikation der internen Entscheidung an den Trainer kann man streiten. Auf der einen Seite erscheint es von Seiten des Vereins RB Leipzig nur fair, Zorniger so früh wie möglich die fehlende Perspektive aufzuzeigen. Wesentlich herber wären die Reaktionen wohl im Sommer ausgefallen, wenn die Rasenballer tatsächlich noch den Aufstieg geschafft hätten. Auf der anderen Seite: Sind das nicht auch die normalen Mechanismen des Geschäfts? Letztendlich war wohl auch die Aufstiegsfrage ein zentraler Punkt für die Vereinsentscheidung: Rangnick will möglichst sofort den Weg in die Bundesliga suchen, Zorniger erst in der nächsten Saison angreifen. Die Sichtweise des Ex-Trainers scheint verständlich, zuletzt wurde der Konflikt aber mehr oder weniger auch öffentlich ausgetragen und die Richtung der Entwicklung auf dem Trainerposten vorzugeben.

Die Frage, ob mit Zorniger der Aufstieg gelingen würde, lässt sich nun nicht mehr seriös beantworten. Schon bald wird man allerdings eine Tendenz erkennen, ob sich das Team unter Beierlorzer weiterentwickelt, vielleicht tatsächlich noch oben angreifen kann. Oder ob die Mannschaft die Saison im Mittelfeld zu Ende bringt und im Sommer der große Schnitt gemacht wird. Mit neuen Spielern für neue Millionen. Und Thomas Tuchel. Sollte der Aufstieg gelingen, könnte man sagen: Alles richtig gemacht, Herr Rangnick. Derzeit bleibt allerdings ein eher seltsames Gefühl einen verdienten Trainer den Weg zur Tür gewiesen zu haben.

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Der eine Moment

Posted by Max on Februar 01, 2015
Fussball International / 1 Comment

Das muss ein kurioses Gefühl sein, wenn am Ende einer Fussballer-Karriere nur wenige Momente in Erinnerung bleiben. Das war auch schon früher so. Manfred Kaltz etwa mit seinen Bananenflanken, Andreas Brehme mit dem finalen Schuss 1990, Angelos Charisteas mit dem Kopfball im EM-Finale 2004.

Besonders intensiv ist diese Verbindung mit nur einem Moment für mich bei David Trezeguet. Der Weltmeister von 1998, insbesondere aber Europameister von 2000 sorgte nach den beiden Zidane-Kopfbällen ’98, den ManUnited-Eckbällen ’99 zu Beginn des neuen Jahrtausends für eine weitere, tief eingeprägte Erinnerung: Es läuft am 2. Juli 2000 die 103. Spielminute in Rotterdam im Finale der Europameisterschaft zwischen Frankreich und Italien. Zuvor hatte der amtierende Weltmeister erst in der Nachspielzeit durch Sylvain Wiltord ausgeglichen und sich so in die Verlängerung gerettet. Nun also die 103. Minute, Robert Pires mit einer flachen Hereingabe von der linken Seite in den Rücken von David Trezeguet, der macht einen Schritt zurück, und jagt den Ball mit Schwung und nahezu unhaltbar für Francesco Toldo unter die Latte. Das Finale war entschieden – damals zählte noch das Golden Goal, es war das erste auf diese Weise beendete Finale für mich (es sollte dann auch nur noch ein weiteres folgen, dass UEFA-Pokal-Finale 2001). Trezeguet wird für immer mit diesem Tor verbunden bleiben.

Dabei ist es keineswegs so, dass Trezeguet wie der oben genannte Angelos Charisteas kein Goalgetter gewesen wäre. Der Grieche erzielte in seiner Karriere generell eher weniger Treffer und bleibt mit seinem Siegtor verbunden. Doch Trezeguets Zahlen sind die eines echten Klassestürmers: 52 Tore in 93 Spielen für Monaco, 138 Treffer bei 245 Spielen für Juventus Turin in mehr als zehn Jahren. Immerhin 34 Tore in 71 Länderspielen für Frankreich. Nach über zehn Jahren in Turin ließ Trezeguet – mittlerweile 33 – seine Karriere ab 2010 in Spanien, Abu Dhabi, Argentinien und zuletzt in der neuen Indian Super League ausklingen. Vor zwei Wochen gab er nun sein Karriereende bekannt. Einer der letzten aktiven Spieler aus meinen Kindheitserinnerung. Bonne chance, David!

Das Talent der Inkonstanz

Posted by Max on Januar 24, 2015
Bundesliga, Fussball International / No Comments

Plötzlich war er wieder da. Gleich im zweiten Spiel für den FC Southampton trifft Eljero Elia, in der Bundesliga bestens bekannt aus insgesamt vier Spielzeiten beim Hamburger SV und bei Werder Bremen, doppelt. Totgesagte leben länger? Obacht! Schließlich eilt Elia ein balotelli’scher Ruf voraus, zwar hochveranlagt, aber zu schlampig für einen Spitzenprofi und insbesondere auch wenig diszipliniert. Inkonstant. Zwei Tore für den neuen Verein, da kam bei mir gleich das typische Elia-Gefühl auf: Starker Start, und dann? Der Name Eljero Elia ist bei mir negativ konnotiert. Das mag auch damit zusammenhängen, dass er in der Labbadia-Saison 2009/2010 zum HSV kam, jener Spielzeit, als für mich der Absturz in das bis heute andauernde Dilemma begonnen hat. Elia trägt daran sicher keine Hauptschuld, aber er war damals zwei Jahre Teil einer überforderten Mannschaft.

Eljero Elia war einer dieser jungen Spieler, denen eine große Karriere vorhergesagt wurde. Einer dieser jungen Spieler, die dann weit hinter den Erwartungen zurückbleiben, die mit komplizierten Situationen überfordert sind. Werfen wir einen Blick auf die bisherigen Karrierestationen des Niederländers:

  • 07/2007 – 07/2009: Twente Enschede (Wechsel für 200.000 Euro)
    Nach dem Wechsel von ADO Den Haag nach Enschede wurde Elia sofort Stammspieler, erzielte in seiner ersten Saison nur zwei Treffer, der erste am 19. Spieltag. Der endgültige Durchbruch gelang in der zweiten Spielzeit: Neun Tore erzielte Elia und geriet in den Fokus des HSV. Schon hier deutet sich ein später typisches Phänomen an, denn von den neun Treffern fielen vier bereits an den ersten sechs Spieltagen, während sich die weiteren Tore über den restlichen Saisonverlauf verteilten.
  • 07/2009 – 08/2011: Hamburger SV (Wechsel für 9 Mio. Euro)
    Mit viel Vorschuss wurde Elia unter dem neuen HSV-Trainer Labbadia schnell zum Leistungsträger. Mit fünf Toren in der Vorrunde war er am guten Saisonstart maßgeblich beteiligt. Später fiel seine Leistung dann proportional zu denen des gesamten Teams ab, die Rückrunde verpasste er weitgehend durch eine Knöchelverletzung. In seiner zweiten Saison an der Elbe waren es dann nur noch zwei Treffer, bei Armin Veh fiel er regelmäßig durch eine negative Körpersprache auf (vergleiche Özil, Mesut). Ende August 2011 folgte – schon unter seinem vierten Trainer in Hamburg – der Wechsel nach Turin.
  • 08/2011 – 07/2012: Juventus Turin (Wechsel für 9 Mio. Euro)
    Der Deal war gut. Quasi ohne Verlust gab der HSV Elia nach Turin ab. Die Geschichte dort ist schnell erzählt: Obwohl nicht verletzt, kam Elia nur auf vier Ligaeinsätze, pendelte ansonsten zwischen Ersatzbank und Tribüne.
  • 07/2012 – 01/2015: Werder Bremen (Wechsel für 5,5 Mio. Euro)
    Der Transfer von Elia nach Bremen sollte für den Niederländer einen Neustart markieren. Zugleich war es einer der letzten Fehleinkäufe der Ära Allofs/Schaaf an der Weser. Elia war auch an der Weser zu Beginn Stammspieler, die Rückrunde verbrachte er dann häufiger auf der Bank, am Saisonende wurde er mit dem gleichsam undisziplinierten Marko Arnautovic wegen einer Autobahnraserei suspendiert. Null Tore in seiner ersten Werder-Saison. Der Start in das Spieljahr 2013/2014 war besser, vier Tore unter dem neuen Trainer Robin Dutt in der Hinrunde. Elia blieb Stammspieler bis zum Saisonende, war aber wie die gesamte Mannschaft inkonstant. Nach der Entlassung von Dutt im vergangenen Herbst hatte Elia endgültig keinen sportlichen Wert mehr für die Mannschaft, Victor Skripnik brauchte ihn nicht mehr im Kader.

Wie sein früherer Bremer Leidensgenosse Marko Arnautovic ist Eljero Elia nun also in der Premier League gelandet. Und hat mal wieder einen guten Beginn beim neuen Verein hingelegt. Trainer in Southampton ist sein Landsmann Ronald Koeman, vielleicht braucht er ja diesen heimischen Einfluss, um endlich konstanter zu werden. Southampton ist ein Neustart für Elia. Mal wieder.

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Winterpausen-Statistik: 2. Bundesliga

Posted by Max on Januar 16, 2015
Bundesliga / 1 Comment

Noch zwei Wochenenden ist Winterpause, dann startet die Bundesliga wieder. Eine Woche danach beginnen auch die Teams der 2. Bundesliga wieder. Wie bei meinem Beitrag zur RB-Statistik versprochen, möchte ich heute noch einige Statistiken aus meinen Aufzeichnungen der Vorrunde liefern. Alle Daten wurden in den letzten Monaten mit größter Gewissenhaftigkeit erzeugt, trotzdem kann es passieren, dass sich bei 171 Ligaspielen und allen dazugehörigen Fakten in wenigen Details Fehler eingeschlichen haben. Sollte dies der Fall sein, bitte ich um einen kurzen Hinweis.

Teams

Ich möchte an dieser Stelle nicht auf den Verlauf jeder einzelnen Mannschaft eingehen, sondern in zwei Grafiken aus meiner Sicht besonders interessante Entwicklungen verdeutlichen. Die erste Grafik zeigt den Punkteverlauf des FC Ingolstadt (Platz 1), von Eintracht Braunschweig (Platz 4) sowie dem VfL Bochum (Platz 11).

150111_fieberkurve_ebs_ing_bocIch bevorzuge zur Analyse von Saisonverläufen an dieser Stelle eine Darstellung der erreichten Punkte anstatt dem sonst oft verwendeten Verlauf von Platzierungen, da die Entwicklung der Punkteabstände ein genaueres Bild der erzielten Ergebnisse zeichnen und sich aus dem Anstieg der Kurven auch auf die Form der Mannschaft schließen lässt. Referenzmarke für die Darstellungen ist natürlich der Ligaprimus FC Ingolstadt. Mit sieben Punkten Vorsprung liegen die Oberbayern einigermaßen souverän vor der punktgleichen Konkurrenz auf den Plätzen zwei bis vier. Eben diesen vierten Platz nimmt Eintracht Braunschweig ein. Der Bundesligaabsteiger kam schlecht in die Saison, erzielte bis zum zehnten Spieltag nur elf Punkte, was den elften Platz bedeutete. Doch in den restlichen neun Partien bis zur Winterpause holte das Team von Torsten Lieberknecht 22 Punkte, entwickelte sich einige Zeit parallel zum FC Ingolstadt, einige Zeit verzeichnete die Kurve sogar einen steileren Anstieg als die des Tabellenführers. Einen völlig anderen Verlauf nahm die Saison des VfL Bochum: Sehr gut aus den Startlöchern gekommen, lag man bis zum siebten Spieltag noch fast gleichauf mit Ingolstadt, doch danach kam der bekannte Einbruch, der Punkteanstieg fiel bis zur Winterpause deutlich niedriger aus und führte zuletzt auch mit zur Entlassung von Peter Neururer, auch wenn hier offiziell freilich andere Gründe genannt wurden.

Die zweite Grafik beschäftigt sich mit drei Teams aus der unteren Tabellenhälfte in Referenz zum jeweiligen Tabellenführer.

150111_fieberkurve_fue_fcsp_1860_ingDa wäre zum einen die SpVgg Greuther Fürth. Bis zum zweiten Spieltag nur waren die Franken punktgleich mit der Tabellenführung, doch danach wurde der Abstand kontinuierlich größer. Mittlerweile beträgt die Differenz nach ganz vorne 17 Punkte, was letztendlich einen enttäuschenden zwölften Tabellenrang bedeutet. Der erhoffte Aufstieg dürfte bei der harten Konkurrenz in der oberen Tabellenhälfte wohl nur mit einer langen braunschweig-esken Serie noch möglich sein, ansonsten muss der Blick nach den Leistungen der letzten Wochen eher nach unten gehen. Dahin, wo sich mit 1860 München (Platz 15 mit 17 Punkten) und dem FC St. Pauli (16 Punkte, vorletzter Platz) zwei Mannschaften befinden, die auch höhere Ziele angepeilt hatten. Vor der Saison hatte der damalige 1860-Coach Ricardo Moniz ja sogar von der Meisterschaft gesprochen. Stattdessen ist der Saisonverlauf der beiden ehemaligen Bundesligisten bezüglich ihrem Punktekonto fast parallel und weit unter den Erwartungen. Beide Teams haben einige längere Phasen ohne jeden Punkteanstieg – also Niederlagenserien – zu  verzeichnen.

Apropos Serien, folgende Serien sind aus den ersten 19 Saisonspielen besonders erwähnenswert:

  • Spiele ohne Niederlage
    • FC Ingolstadt (13 Spiele, 1. – 13. Spieltag, 27 Punkte)
    • Fortuna Düsseldorf (11 Spiele, 4. – 14. Spieltag, 23 Punkte)
    • SV Darmstadt 98 (10 Spiele, 10. – 19. Spieltag, 18 Punkte)
  • Spiele ohne Sieg
    • FC St. Pauli (9 Spiele, 10. – 18. Spieltag, 2 Punkte)
    • FC Erzgebirge Aue (9 Spiele, 11. – 19. Spieltag, 4 Punkte)
  • Längste Siegesserie: Eintracht Braunschweig (5 Spiele, 11. – 15. Spieltag)
  • Längste Niederlagenserie: FC Erzgebirge Aue (5 Spiele, 1. – 5. Spieltag)

Tore und Ergebnisse

428 Treffer sind in bisher 171 Spielen gefallen. Das ergibt einen Durchschnitt von 2,50 Toren pro Partie, wobei der Trend seit Saisonbeginn eindeutig abfallend ist, wie nachfolgende Grafik verdeutlicht.

150111_torbilanzDer Tiefpunkt wurde dabei am 15. Spieltag erreicht, wo die 18 Mannschaften lediglich 15 Tore erzielten. Blickt man auf die Entwicklung der letzten Jahre, bestätigt sich damit ein abnehmender Trend: von 2,79 Toren pro Spiel in der Saison 2011/2012 entwickelte sich dieser Wert kontinuierlich abwärts – von 2,58 über 2,56 zu nun eben 2,50. Sollte es bis zum Saisonende dabei bleiben, wäre es der niedrigste Wert seit der Spielzeit 1993/1994 mit 2,49 Toren pro Spiel (Link zur Gesamtstatistik der 2. Bundesliga).

Von den 428 Toren entfielen 238 auf die Heimteams, also knapp 56 %. Einmal mehr ein Beleg dafür, dass der Heimvorteil in der heutigen Zeit nicht mehr die siegstiftende Bedeutung früherer Spielzeiten hat. Unter allen bisher erzielten Treffern gab es elf Eigentore (ca. 3 %) und bemerkenswerte 39 Joker-Tore (ca. 9 %).

Eben schon angeschnitten, kommen wir jetzt zur Ergebnisverteilung. Zwar endet der größte Anteil aller Partien mit einem Sieg der Heimmannschaft (72 Heimsiege, 42 % aller Partien), doch bei 55 Unentschieden (32 %) und 44 Auswärtssiegen (26 %) verbleiben im Schnitt nur 1,58 Punkte pro Spiel bei der Heimmannschaft. Anders gesagt: Die Heimteams holen nur etwas mehr als die Hälfte aller Punkte, was für ein insgesamt sehr ausgewogenes Verhältnis spricht. In den letzten Wochen der Hinrunde war der Trend hier sogar eher abfallend.

150111_ergebnisverteilung

Werfen wir einen Blick auf die Ergebnishäufigkeiten der bisherigen Saison: Das häufigste Ergebnis ist – nach den vorherigen Erkenntnissen wenig überraschend – ohne Berücksichtigung des Heimrechts ein Sieg mit nur einem Tor. Sowohl bei den Heim- als auch bei den Auswärtssiegen führt dieses knappe Resultat die Rangliste eindeutig an. Bei der genannten hohen Anzahl an Remis überrascht auch nicht, dass ein 1:1 das zweithäufigste Resultat ist. Bemerkenswert finde ich allerdings, dass einigermaßen klare Siege der Marke 3:0 oder 2:0 mit jeweils achtzehn Spielen noch vor dem torlosen 0:0 liegen.

Spieler

Zunächst möchte ich auf die Gesamtstatistik aller Spieler verweisen. In dieser Liste sind alle Spieler – sortiert nach Einsatzminuten – aufgelistet, die in den ersten 19 Spieltagen dieser Saison mindestens einmal im Kader eines Teams standen. Für diese Kategorie könnte man viele Details herausfiltern, ich möchte an dieser Stelle auf die für mich interessantesten Fakten eingehen:

  • 13 Spieler absolvierten alle möglichen 1.710 regulären Saisonminuten bisher. Bemerkenswert ist, dass der Ingolstädter Danilo auf diese Zahl kommt, obwohl er dreimal ausgewechselt wurde – allerdings jeweils erst in der Nachspielzeit. Nur sechs der Dauerbrenner sind Torhüter.
  • Drei Spieler absolvierten nur eine einzige Spielminute. Der Lauterer Tim Heubach kam zwar auf drei Partien, wurde aber jeweils in der zweiten Nachspielminute eingewechselt. Jeweils nach einer Minute war sein Mitwirken bereits mit dem Abpfiff wieder beendet.
  • Rekordeinwechsler in der bisherigen Spielzeit ist Philipp Hofmann vom 1. FC Kaiserslautern. Bei 16 Einsätzen brachte er es auf 13 Einwechslungen, zweimal durfte er durchspielen, einmal wurde er ausgewechselt. Im Schnitt absolvierte er pro Partie nur 36 Spielminuten.
  • Bemerkenswerte Low-Runner unter den häufigen Einwechselspielern (mindestens neun Einwechslungen) sind aber andere Akteure: Ronny König vom SV Darmstadt kam in neun Spielen auf nur 69 Minuten (7,7 Minuten pro Spiel). Dicht gefolgt wird er von Karl-Heinz Lappe (FC Ingolstadt), der bei zwölf Einwechslungen nur 102 Minuten auf dem Feld stand. Das sind schlanke 8,5 Minuten pro Partie.
  • Vier Spieler traten mehr als einmal zum Elfmeter an. Marc Schnatterer, Vicenzo Grifo und Nejmedding Daghfous trafen bei einem von zwei Versuchen. Beim Aalener Leandro war nur einer von drei Versuchen im Tor.
  • Zehn Elfmeter wurden bisher durch die Torhüter gehalten. Einziger Keeper mit drei Paraden ist Manuel Riemann vom SV Sandhausen, alle anderen Torhüter hielten jeweils einen Strafstoß. Beachtenswert: Von den Torhütern mit abgewehrten Elfmetern absolvierte nur Patric Klandt (FSV Frankfurt) alle Saisonspiele. Teilweise reichten einigen Spielern dafür nur zwei (Gabor Kiraly), fünf (Raphael Schäfer) oder sieben (Lars Unnerstall) Einsätze.
  • Der Düsseldorfer Joel Pohjanpalo ist mit drei Jokertoren (bei nur sechs Einwechslungen insgesamt) der torgefährlichste Spieler von der Bank. Ihm folgen Mikael Forssell (Bochum), Sebastian Jacob (Kaiserslautern) und Damir Kreilach (Union) mit jeweils zwei Joker-Toren.
  • Von elf Eigentoren in der gesamten Saison entfielen jeweils zwei Treffer ins eigene Gehäuse auf André Hainault (Aalen) und Philipp Ziereis (St. Pauli).

Trainer

Auch hier als Erstes wieder der Hinweis auf die verfügbare Gesamtübersicht der Zweitligatrainer bis zum 19. Spieltag. Sortiert ist diese Statistik nach dem Punktedurchschnitt, den die Coaches bei den Spielen unter ihrer Leitung erzielt haben. Mit dabei ist auch Timo Schultz vom FC St. Pauli, der zwar unter Thomas Meggle eigentlich nur Co-Trainer war, aber aufgrund eines verbalen Austritts seines Chefs gleich zum Debüt für zwei Spieltage an der Seitenlinie stand. Kurioserweise holte Schultz in seinen zwei Partien genauso einen Sieg wie Meggle in seinen elf Spielen. Wirklich lohnenswert ist der Blick auf diese Statistik nur bei jenen Vereinen, die in den vergangenen Monaten einen Trainerwechsel hatten:

  • 1. FC Nürnberg: Valerien Ismael wirkte auf seiner ersten Profitrainerstation in Deutschland schnell überfordert. Seine Mannschaft kam nur zäh aus den Startlöchern, zeigte sehr schwankende Leistungen. Nach einer deftigen Pleitenserie im ersten Saisonabschnitt gab es danach einige Spiele Besserung, doch schnell fiel das Team unter Ismael in alte Muster zurück. Am Ende stehen nur 1,08 Punkte im Durchschnitt aus 13 Spielen. Unter seinem Nachfolger René Weiler lief es dann gleich viel besser: Der Schweizer katapultierte sich in den sechs Spielen vor der Winterpause mit 2,17 Zählern pro Partie an die Spitze des Rankings. Schon jetzt holte er nur einen Punkt weniger als Ismael während seiner Amtszeit.
  • FC St. Pauli: Rechnet man wie oben erwähnt Timo Schultz mit, beschäftigten die Hamburger in dieser Saison schon vier Trainer. Der glücklose Roland Vrabec wurde nach vier Punkten aus vier Partien entlassen. Thomas Meggle gelangen in elf direkt geleiteten Partien furchterregende 0,55 Punkte pro Partie, was lediglich vom Null-Punkte-Götz aus dem Erzgebirge unterboten wird. Über Timo Schultz habe ich oben bereits geschrieben, er holte in seinen zwei Spielen genauso viele Punkte wie Ewald Lienen, der kurz vor der Winterpause installiert wurde.
  • Erzgebirge Aue: Auf den Saisonverlauf der Veilchen bin ich bereits vor einigen Wochen ausführlich in einem Beitrag eingegangen. Der völlig missratene Saisonstart unter Falko Götz (vier Spiele, vier Niederlagen) führte zu einem größeren Umbruch während der ersten Länderspielpause. Unter Nachfolger Tomislav Stipic ging es auf und ab, letztendlich gelangen dem neuen Trainer aber auch nur durchschnittlich 0,93 Punkte in seinen 15 Spielen.
  • 1860 München: Von der Meisterschaft träumte Ricardo Moniz vor Saisonbeginn. Schnell mussten die Löwen (näheres zum Saisonverlauf siehe oben) diese Hoffnung begraben, das Intermezzo von Moniz war nach sieben Spielen mit lediglich 0,86 Punkten pro Partie schnell beendet. Letztendlich führten auch zahlreiche atmosphärische Störungen zur vorzeitigen Trennung, unter Markus von Ahlen soll ein besseres Klima herrschen, wenngleich er mit 0,92 Punkten in zwölf Spielen einen kaum besseren statistischen Wert aufweisen kann.
  • VfL Bochum: Auch den Saisonverlauf des VfL Bochum habe ich oben bereits näher analysiert. Was auch immer letztendlich zur Trennung von Peter Neururer führte, mit 1,25 Punkten pro Partie liegt er letztendlich im Mittelfeld des Trainerrankings. Sein Interims-Nachfolger Frank Heinemann holte aus drei Spielen nur drei Unentschieden.

Schiedsrichter und Strafen

Die Gesamtstatistik der Zweitligaschiedsrichter gibt es hier. Sortiert ist die Übersicht nach den durchschnittlich verteilten persönlichen Strafen pro Einsatz. Zur Berechnung dieses Wertes gibt es für eine rote Karte fünf Punkte, drei Punkte für eine gelb/rote Karte und einen Punkt für eine einfache gelbe Karte. Auffällig ist die besonders hohe Anzahl eingesetzter Schiedsrichter: 42 Referees wurden für 171 Partien bisher eingesetzt – denn zu den regulären Zweitligaschiedsrichtern gesellen sich abwechselnd auch noch die nicht in der Bundesliga eingesetzten Referees. Im vergleichen zu anderen Ligen – etwa der Premier League, wo die meisten Schiedsrichter an 80% der Spieltage im Einsatz sind – sind so die Spielleiter mit den meisten Ansetzungen nur sechsmal im Einsatz gewesen. Dies betrifft Frank Willenborg, Sascha Steegemann sowie Robert Kampka. Willenborg ist auch führender der Kartenstatistik: 31 Gelbe Karten und insgesamt vier Platzverweise machen ihn zum Spitzenreiter dieser Kategorie. Er ist überhaupt der einzige Referee, der jeden Art von Platzverweis mehr als einmal aussprach. Diese Statistiken – das möchte ich hier eindeutig betonen – sagen nichts über seine Leistungen aus. Theoretisch können sowohl alle dieser Entscheidungen völlig richtig als auch komplett falsch sein, die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Abschließend zu dieser Betrachtung noch ein kurzer Blick auf die Kategorie “Heimpunkte”, welche angibt, wieviele der persönlichen Strafen pro Schiedsrichter auf die Heimteams entfallen. Es gibt vier Schiedsrichter, die liegen hier über 60 %, der überwiegende Teil aller Schiedsrichter verteilt jedoch mehr Strafen an die Auswärtsteams (betrifft alle Werte unter 50 %). Auch hierfür wird es freilich nachvollziehbare Gründe geben, die fernab jeder Verschwörungstheorie zu suchen sind.

Der Grund für die notwendige Anwesenheit der Schiedsrichter sind bekanntlich die an einem Spiel beteiligten Teams mit ihren Akteuren. Hier kommen sind die Auffälligkeiten bezüglich Bestrafungen kurz zusammengefasst:

  • Bereits zwölf Spieler haben mehr als fünf gelbe Karten kassiert. Spitzenreiter sind Tom Beugelsdijk (FSV Frankfurt) sowie Markus Karl (1. FC Kaiserslautern).
  • Diese beiden Spieler führen auch die Punktewertung mit dann neun Punkten an, werden hier aber ergänzt von Javier Pinola (1. FC Nürnberg) sowie Goran Sukalo (SpVgg Greuther Fürth), die beide neben vier Verwarnungen eine glatt rote Karte erhielten.
  • Noch kein Spieler wurde in dieser Saison bisher mehrfach vom Platz gestellt.
  • Das fairste Team der Liga sind die Braunschweiger. Lediglich 1,74 Punkte – also nicht mal zwei Verwarnungen – entfielen auf die Eintracht-Spieler. Damit sind sie eines von nur sechs Teams, bei dem es bisher noch keinen Platzverweis zu verzeichnen gab.
  • Schlusslicht der Wertung ist Union Berlin: 41 Verwarnungen, zwei gelb-rote sowie drei rote Karten ergeben 3,26 Punkte pro Begegnung. Bei den Platzverweisen sind die Eisernen damit eindeutig Spitzenreiter.
  • Die meisten Verwarnungen kassierte bisher der FC St. Pauli (51), die wenigsten gelben Karten gab es für den VfR Aalen (31).
  • Das Stadion, in dem die wenigsten Strafen verteilt werden, steht in Braunschweig. Bei neun Partien gab es für die Eintracht und die Gastmannschaft lediglich 30 gelbe Karten (3,33 Punkte pro Spiel). Gegenpol ist hier die Arena in Fürth, bei schon fünfzig Verwarnungen gab es zudem noch zwei Platzverweise in allerdings zehn Spielen (6,0 Punkte pro Partie).

Zuschauer

Zum Abschluss möchte ich den Blick noch kurz auf die Zuschauerstatistik lenken. Wenig überraschend stehen hier die klangvollen Namen Nürnberg, Kaiserslautern und Düsseldorf an der Spitze, wobei der Club seine Führungsposition erst mit dem sehr gut besuchten Derby gegen Fürth kurz vor Weihnachten erreichte. Hinter dem Spitzentrio liegt RB Leipzig auf dem vierten Platz, gefolgt vom FC St. Pauli. Fünf Teams erreichen keinen Durchschnitt von wenigstens 10.000 Besuchern pro Partie: Erzgebirge Aue, bekanntermaßen Tabellenführer Ingolstadt, bei denen trotz starker Leistungen kein wirklicher Aufwärtstrend zu verzeichnen ist, Aalen, Frankfurt und Sandhausen. In allen Partien kamen bisher durchschnittlich 17.325 Besucher, was bei acht ausverkauften Spielen einer Auslastung von 62,7 % entspricht. Zum Vergleich: Im letzten Jahr lag der Durchschnitt bei 17.888 Zuschauern, wobei zu bemerken ist, dass mit Köln und Dresden zwei Vereine mit hohen Besucherzahlen die Liga verlassen haben.

Genug der Zahlenspielerei. Es ist ein schönes Hobby, man kann darin etwas wühlen und sich austoben. Doch entscheidend ist immer noch auf dem Platz. Bald geht es wieder los. Zum Glück.

Marco Reus auf Asche

Posted by Max on Januar 07, 2015
Dritte Halbzeit, Medien / No Comments

Ich kann nicht behaupten, ein Anhänger der Amateurfußball-Kultur zu sein. Natürlich gibt es auch in Leipzig klassische Bolzplätze und Spielbetrieb bis in die 12. Liga (wo der 1. FC Lokomotive Leipzig mit mehr als 12.000 Zuschauern einen Rekord hält, aber das war eine einmalige Aktion und noch dazu im WM-Stadion), aber auf diesen war und bin ich nicht zu Hause. Meine eigene, bescheidene Spielerkarriere ging über die B-Jugend nie hinaus.

Trotzdem habe ich den Beitrag von Lucas Vogelsang in der ZEIT (erschienen vor Weihnachten, seit gestern auch online verfügbar) sehr gerne gelesen. Vogelsang berichtet ausführlich aus der Kreisliga Bottrop, wo viele Spiele auf Asche stattfinden. Ein weiteres Fußballphänomen, das mir außer handverlesenen Kindheitserlebnissen mit diversen Schürfwunden weitgehend fremd ist. Auch wenn die Reportage nur einen mikroskopischen Ausschnitt der Fußballwelt beleuchtet, lohnt sich das lesen. Alleine deshalb, weil es mal nicht um Schiedsrichter aus den Amateurklassen in Todesangst geht.

Und, weil Vogelsang einen schönen Einblick in die Gedankenwelt der Kreisliga-Kicker liefert. Mein Lieblingszitat eines Amateurspielers:

Es gibt kein geileres Gefühl auf der Welt, als einem 21-Jährigen mit Marco-Reus-Frisur und Unterarm-Tattoo den Ball durch die Beine zu schieben.